Bestäubungsimkerei

Die Bestäubungsimkerei ist eine Sonderform in der Wanderimkerei, hierbei steht primär nicht eine Steigerung des Honigertrags und eine Differenzierung der erzeugten Sortenhonige im Vordergrund, sondern die Bestäubung von Blütenpflanzen eines bestimmten Gebietes und zwar jenes des Auftraggebers. Im Speziellen betrachtet gibt es in Deutschland mittlerweile zu wenig Bienen und Imker, sodass eine ausreichende Befruchtung vieler Blütenpflanzen nicht mehr gewährleistet werden kann. Für Obstbauern und Landwirte ist die Befruchtung der Blüten mit Pollen aber wirtschaftlich von Interesse, denn nur durch die Befruchtung entstehen später aus den Blüten auch Früchte die geerntet und in den Verkauf gebracht werden können. Die Bienen sorgen durch das Sammeln des Nektars somit gleichzeitig für eine nicht unerhebliche Ertragssteigerung der Ernten. Die Imker erhalten im Gegenzug für einen zumeist geringer zu erwartenden Ertrag an Honig eine Bestäubungsprämie, durch welche der Aufwand und die Ertragseinbußen abgedeckt werden sollen.

Bestäubungsimkerei | Quelle: Marieluise Seidl / pixelio.de
Die hohe Bestäubungsleistung der Bienen zeigt sich vor allem in der Obstblüte von Kirsche, Apfel und Birnen.Bestäubungsimkerei | Quelle: Marieluise Seidl / pixelio.de

Der geringere zu erwartende Ertrag ergibt sich aus der Anbauweise, beispielhaft genannt sei hier der Anbau von Obstbäumen, diese stehen relativ weitgefast und haben vergleichsweise wenige Blüten je Quadratmeter Bodenfläche. Würde der Imker in der gleichen Zeit in den Raps wandern, würde ein signifikant höherer Ertrag realisiert werden, diese entstehenden Opportunitätskosten müssen dem Bestäubungsimker bewusst sein. Insbesondere Imker im Haupt- oder Nebengewerbe haben diese Verluste aus entgangenen Gewinnen in ihre Planung mit einzukalkulieren und müssen entsprechende Aufschläge bei der Bestäubungsprämie mit einbringen. Zudem erhöht sich der Arbeitsaufwand in einigen Fällen beträchtlich, wenn mit den Bienen über weitere Strecken zum Bestäuben gewandert wird. Die entstanden Mehraufwände für Benzin/Diesel und Verschleiß müssen ebenfalls mit einkalkuliert werden. Einige Bauern werden dann keinen zusätzlichen Nutzen mehr in der Bienenbestäubung sehen, wenn die real entstandenen Kosten auf den Begünstigten umgeschlagen werden. Für das Wandern untersteht der Imker den Regularien und Besonderheiten der jeweiligen Wanderordnungen, zudem hat er sich beim örtlichen Wanderwart vor der Wanderung anzumelden. In Seuchengebiete, welche als solche durch einen Amtstierarzt festgelegt wurden, darf generell nicht ein- oder ausgewandert werden.

Risiken der Bestäubungsimkerei

Neben der finanziellen Prämie müssen auch entstehende Risiken für den Imker betrachtet werden, welche bisweilen sogar zum Totalverlust der Völker führen kann. Neben dem verhungern aufgrund zu geringer Blütenbestände im Flugradius kann auch der Einsatz von Pestiziden im Obstanbau schnell zu einer Vergiftung der Bienen führen. Generell sollte vor der Einwanderung mit dem Landwirt über den Einsatz entsprechender Mittel gesprochen, notfalls getroffene Einigungen auch schriftlich festgehalten werden. In der Regel kann auch das Wandern in die Obstblüte gute Erträge erwirtschaften, sofern ausreichend Wildpflanzen zwischen den Bäumen gedeihen und nicht stetig abgemäht werden. Die Bestäubung selbst sollte innerhalb von 2 – 3 Wochen getätigt sein, hierzu muss der Bestäubungsimker ausreichend flugkräftige Bienenvölker der Fläche angepasst vor Ort bereitstellen.

Alternativen zur Bestäubung durch Bienen

In den letzten Jahren hat sich ein ausgeprägtes Geschäft mit Tieren zur Bestäubung von Blütenpflanzen etabliert. Insbesondere in der Bestäubung unter Folie oder Glas (Gewächshäuser) geraden die Bienen schnell an ihre Grenzen und können durch das niedrige Nahrungsangebot innerhalb kürzester Zeit verhungern, verdursten oder das Brutgeschäft stark einschränken. In diesen Fällen wird oftmals auf andere staatenbildende oder alleinstehende Insekten wie zum Beispiel Hummeln zurückgegriffen. Die Bestäubungsleistung ist je Individuum verhältnismäßig äquivalent, die Anzahl der eingesetzten Tiere kann aber besser reguliert und dem Bedarf angepasst werden.

Entwicklung der Bestäubungsimker

In den USA sind die Wanderimkerei und hierzu gleichbedeutend auch die Bestäubungsimkerei stark verbreitet. Die Imker ziehen mit hunderten Bienenvölkern auf LKW Aufliegern verstaut über unzählige Kilometer durchs Land und optimieren ihr Honigportfolio, den Honigertrag und erhalten hierzu oftmals auch noch eine Bestäubungsprämie. In der ehemaligen DDR wurden die Wanderimker in den klassischen Bienenwagen mit Hinterbehandlungsbeuten für die erbrachte Bestäubungsleistung auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen je Bienenvolk bezahlt. Die Wanderimkerei wurde durch den höheren Honigertrag und der zusätzlichen Prämie schnell auch bei kleinen Völkerzahlen zu einem einträglichen Geschäft.

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Das Internetportal Beeventure möchte Imkern und Interessierten eine Plattform zum Austausch von Informationen bieten und zur Diskussion anregen. Die Imkerei und damit auch die Honigbiene verschwinden zusehenst in Ermangelung an Nachwuchsimkern und Interessenten. Die Folgen für Natur, Landwirtschaft und Menschen sind nicht absehbar, sicher ist nur, dass die Biene einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung vieler Kulturpflanzen leistet und ohne diese mit geringeren Ernten zu rechnen ist.

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