Chronische Paralyse

Die Viruserkrankung der Chronischen Bienen Paralyse ist auf einen lediglich 20-60 Nanometer großen Erreger zurückzuführen, welches sich in einem seuchenhaften Auftreten in den Arbeitsbienen vermehrt. Der Virus befällt nicht wie viele andere gleichartige Krankheiten die Brut, sondern setzt sich im Gehirn, den Nervenknoten und Drüsen der Arbeitsbienen fest und führt bei andauerndem Befall zu starken Lähmungserscheinungen. Insbesondere bei großer Völkerdicht an einem Bienenstandort mit eng gestellten Beuten sind ein seuchenhaftes Auftreten und die schnelle Verbreitung möglich. Aufgrund der Größe des Virus ist ein Nachweis nur unter dem Elektronenmikroskop durch ein Labor oder Institut möglich.

Ein Ausbruch des Virus ist zumeist eine Sekundärerkrankung bei bereits stark geschwächten Bienenvölkern in Folge eines hohen Varroabefalls. Die Bienen sind durch die Varroamilbe geschädigt und bieten hierdurch dem Virus eine leichte Möglichkeit der Ausbreitung. Die Verbreitung und Infektion der Chronischen Paralyse auf andere Bienen erfolgt hauptsächlich über die Nahrung beim Austausch von Futter und über offene Wunden, welche durch die Milbe hervorgerufen wurden. Bei Wunden gelangen die Viren in die Hämolymphe, hierbei reicht bereits eine geringe Anzahl der Viren und Symptome hervorzurufen. Eine Ausbreitung über die Nahrung bedarf eines wesentlich größeren Befalls mit den Viren. Ein Befall mit dem Virus muss nicht immer zu einem Ausbruch der Krankheit führen, starke Völker sind in der Lage, die Erreger durch ihr Immunsystem zu Bekämpfen und erkrankte Bienen zu verdrängen.

Die Symptomatik der befallen Bienen ist relativ vielfältig und kann mit anderen Krankheiten schnell verwechselt werden. Zumeist treten bei einem Ausbruch der Krankheit vermehrt flugunfähige, krabbelnde und zitternde Bienen vor dem Flugloch auf. Diese Bienen haben oft asymmetrisch verschränkte Flügel und können dadurch nicht mehr fliegen. Weiterhin ist ein erhöhter Totenfall zu beobachten, der sich durch viele verstorbene Bienen vor dem Flugloch zeigt. Arbeitsbienen sitzen oft in Gruppen zusammengedrängt in der Beute oder auf den Rähmchenoberträgern, haben ein stark aufgeblähten Hinterleib und leiden an Haarlosigkeit. Daher kann die Chronische Paralyse auch schnell mit der Schwarzsucht verwechselt werden. Zudem sind die Anzeichen der zitternden und zusammengedrängten Bienen auch mit einer Vergiftung zu verwechseln.

Begünstigt wird der Virus durch lange Schlechtwetterperioden und fehlender Tracht, in denen die Flugbienen mit den Stockbienen dicht gedrängt in der Beute zusammensitzen. Eine hohe Bienendichte im Umkreis zum Standort und Räuberei sorgen für eine schnelle Ausbreitung der Viruserkrankung. Die hohe Varroabelastung und die dadurch geschwächten Bienen haben den Erregern nicht mehr zu zusetzen. Ein befallenes Volk verstirbt durch die fehlende Bienenmasse innerhalb von wenigen Wochen. Eine spontane Selbstheilung durch auftretende Tracht und begünstigendes Wetter ist aber durchaus möglich. Neben den üblichen Verbreitungsmethoden durch Räuberei und Verflug der Bienen ist auch der Austausch von Waben durch den Imker, sowie das Vereinigen von Bienenvölkern eine Möglichkeit zur Verbreitung des Virus.

Aktuell ist kein Medikament zur Behandlung der Chronischen Paralyse in Deutschland zugelassen, sodass der Imker auf konventionelle Weise Maßnahmen gegen den Virus ergreifen muss. Bei einem massiven Befall ist die Königin auszutauschen, da die Viruserkrankung möglicherweise auch von der eierlegenden Königin ausgehen kann und sich bereit bei der Eiablage auf die Bienen überträgt. Desweiteren sollte versucht werden, dass Volk durch auslaufende Brutwaben zu starken und hierdurch die Selbstheilung bei starker Bienenmasse anzustoßen. Erscheint die Situation als aussichtslos, kann nur noch das Abschwefeln des Volkes ein Übergreifen auf andere Völker verhindern. Die Vereinigung des stark infizierten Bienenvolkes sollte nicht durchgeführt werden, um ein Verbreiten des Virus auf gesunde Völker zu verhindern. Die entnommen Waben sind einzuschmelzen und die Beuten mit einer Ätznatronlösung zu desinfizieren.

Bienen gesund erhalten: Krankheiten vorbeugen, erkennen und behandeln

Dieses literarische Werk beschreibt die Wichtigkeit der Honigbiene, ihren Nutzen für die Landwirtschaft und welchen Bedrohungen sich das Tier entgegenstellen muss. Ein Schwerpunktthema ist die Varroa, die Kontrolle ihrer Ausbreitung und bienenschonende Behandlung um dem Verbraucher auch weiterhin einwandfreie Bienenerzeugnisse anzubieten.

Autor: Wolfgang Ritter
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