Varroamilbe

Die Varroamilbe ist die aktuell am weitesten verbreitete Bienenkrankheit, welche jedes Jahr die stärksten Volkverluste fordert. Die Milbe nistet sich parasitär in den Völkern ein und befällt bereits die Bienenbrut, weshalb sie als Brutkrankheit zu klassifizieren ist. Primär befällt die Varroa die Drohnenbrut, breitet sich aber auch im weiteren Entwicklungszyklus auf die Larven der weiblichen Bienen und die Arbeitsbienen aus. Mit einer Größe von 1,6 Millimeter ist das Spinnentier im ausgewachsenen Zustand mit dem bloßen Auge erkennbar. Am Ende der siebziger Jahren gelangte der Parasit mit der Indischen Biene „Apis cerana“ nach Europa und verbreitete sich auf die heimischen Bienenarten. Die heimischen Völker werden erheblich geschwächt und erliegen bei einem weiteren Ausbruch der Milbe Sekundärkrankheit oder können im Winter die Versorgung nicht mehr aufrechterhalten. Das größte Bienensterben fand im Winter 2002/2003 statt, bei dem etwa 30% aller Bienenvölker der Milbe, bzw. an dessen Folgeerscheinungen durch die zusätzliche Übertragung von Viren und Pilzen verstarben. Auch heute sind in Deutschland fast alle Bienenvölker mit dem Parasit befallen, nur durch effektive Bekämpfung mit medikamentösen und ökologischen Mitteln kann ein Ausbruch verhindert werden.

Varroa Milbe | Quelle: Gilles San Martin / flickr.de
Die Varroa setzt sich bevorzugt auf Drohnenbrut, aber auch die Larven der Arbeiterinne werden stark geschädigt..Varroa Milbe | Quelle: Gilles San Martin / flickr.de

Die Milbe gelangt kurz vor der Verdeckelung der Larve in die Zelle und legt hier ein männliches und mehrere weibliche Eier ab, die nach einer Woche schlüpfen und sich noch in der verdeckelten Zelle fortpflanzen. Mit dem Schlüpfen der geschwächten bzw. verkrüppelten Biene gelangen auch die entwickelten Milben in das Volk und können sich bereits nach wenigen Tagen in weitere Zellen einnisten und sich fortpflanzen. Vor der Eiablage saugen die Milben Hämolymphe aus den Larven und verletzen die noch unentwickelten Bienen schwer. Folgen sind eine verringerte Lebenserwartung, psychische Störung und physische Beeinträchtigung aufgrund von deformierten Flügeln.

Die Imker sind nach der Bienenseuchenverordnung verpflichtet gegen Varroatose zu behandeln. Hierzu existieren verschiedene Möglichkeiten dem Spinnentier her zu werden. Die Milbe bevorzugt durch ihren längeren Entwicklungszyklus Drohnenbrut, durch den gezielten Ausbau von Drohnenwaben und das Ausschneiden der Waben vor dem Schlüpfen können Milbenherde bereinigt werden. Insbesondere in der Trachtzeit dürfen keine Medikamente gegeben werden um die Honig nicht zu kontaminieren. Drohnenwaben sind in dieser Zeit die einzige Möglichkeit der Milbenreduktion. Um sich als Imker einen Überblick zu verschaffen, in wie weit die Bienen durch Milben belastet sind, kann der natürliche Milbenabfall bewertet werden. Hierzu wird in den Boden ein Auffangbecken gelegt, sodass die abfallenden Milben gut sichtbar bleiben. Bei einem Abfall von mehr als 3 Milben pro Tag besteht dringender Handlungsbedarf.

Die chemische Behandlung mit Ameisensäure in 80%iger Lösung ist eine effektive Möglichkeit die Milben von den Bienen zu vertreiben. Die Anwendung wirkt aber nur auf die ansitzen Milben mit Haarkleid der Bienen und tötet nicht die Milben in den verdeckelten Zellen. Die Ameisensäure verdunstet über einen mehrtägigen Zeitraum in der Beute und tötet die Milben, welche in der Beute nach unten fallen und aus dem Volk getragen werden. Ameisensäure wirkt bis in die verdeckelten Brutzellen, kann aber nicht alle Milben in den Zellen vollständig abtöten. Bei der Verwendung von Ameisensäure, wie auch anderen Säuren zur Varroabehandlung sind die Unfallverhüttungsvorschriften einzuhalten, da es sich um stark ätzende Säuren handelt, die schwere und dauerhafte Verletzungen hervorrufen können. Alternativ können auch medikamentöse Behandlungsmethoden eingesetzt werden, wie z.B. das Mittel Perizin® (Eingetragenes Markenzeichen und Produkt der Firma Bayer), welches ähnlich der Ameisensäure gegen die aufsitzenden Milben wirkt. Durch mehrmalige Anwendung der Mittel in 2 – 3 wöchigen Abstand können auch die schlüpfenden Mittel bekämpft werden. Die beste Zeit für die Behandlung ist, wenn die Waben brutfrei sind, hierzu bietet sich der Spätherbst an oder die Behandlung von gebildeten Brutablegern. Bei Brutablegern kann eine Behandlung nach dem Schlüpfen der verdeckelten Brut, noch bevor die junge Königin mit der Eiablage beginnt, erfolgen.

Eine vollständige Ausrottung der Milbe in den heimischen Bienenvölkern ist nach aktuellem Kenntnisstand mit den gegeben Mitteln nicht vollständig möglich.

Varroose – erkennen und erfolgreich behandeln

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Autor: Friedrich Pohl
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