Ameisensäure

Zur Bekämpfung der in Deutschland stark verbreiteten und nach dem Tierseuchengesetz behandlungspflichtigen Varroamilbe kann auch effektiv Ameisensäure über ein Verdunstungssystem eingesetzt werden. Ameisensäure ist außerdem für Betriebe mit biologischer Bienenhaltung nach Zertifizierung durch eine anerkannte Institution in der Regel zur Behandlung gegen Varroa zugelassen. Die Ameisensäure wird in 60%iger Konzentration verabreicht, im Handel sind auch höher konzentrierte Lösungen verfügbar, die mit Wasser verdünnt werden um das angegebene Verhältnis zu erreichen. Zugelassen ist aber nur die Ameisensäure ad. us. vet. in 60%iger Konzentration zur Behandlung von Bienen. Einige Imker setzen auch die technische Ameisensäure ein, welche ähnliche Eigenschaften besitzt aber wesentlich günstiger ist und in größeren Gebinden beschafft werden kann. Von dieser Praxis ist aber dringend abzuraten, da es sich um keine zugelassene Behandlungsform handelt.

Ameisensäure | Quelle: Maja Dumat / pixelio.de
Die Ameisensäure kann über die Schwammtuchmethode im Volk eingebracht werden, hierbei verdunstet die Säure im Bienenstock. Ameisensäure | Quelle: Maja Dumat / pixelio.de

Zu Anwendung kommt Ameisensäure vor und nach der Einfütterung, wenn die Futterwaben noch nicht gefüllt oder bereits verdeckelt sind. Wird hierauf nicht geachtet und sind eventuell noch offene Futterwaben vorhanden, kann die Ameisensäure das enthaltene Futter säuerlich und somit für die Bienen ungenießbar machen. Eine Behandlung dauert circa 2 Wochen und wird im Zeitraum von Anfang August bis Mitte September durchgeführt, wenn die Tagestemperaturen im Mittel noch um die 20° Celsius haben. Wichtig ist, dass die Temperaturen im Schatten nicht über 25° Celsius steigen, andernfalls wäre die Verdunstungsmenge je Tag zu groß. Auch sollten die Temperaturen am Tag nicht unter 15° Celsius fallen, weil sonst zu wenig Ameisensäure verdunstet. Im Mittel müssen zwischen 8 – 12 ml einer 60%igen Lösung am Tag aus dem Verdunster abgegeben werden, bei Mengen über 15ml am Tag ist die Behandlung zu verzögern und etwas später durchzuführen, weil durch höhere Mengen die Königin nachhältig schädigen kann. Werden Mengen unter 7 ml in einem normalstarken Bienenvolk verdunstet, ist der Wirkungsgrad der Behandlung zu klein. Daher sollte bei mehreren kühlen Tagen in Folge die Behandlungszeit entsprechend verlängert werden.

Zu empfehlen ist ein zugelassener Verdunster, welcher auch bei größeren Temperaturschwankungen für eine genügende Verdunstung von Ameisensäure sorgt.

Ausreichend Belüftung beim Einsatz von Ameisensäure

Für eine effektive Behandlung sind die Fluglöcher auf die volle Zargenbreite zu öffnen, daher erklärt sich auch, warum nicht während der Einfütterung mit der Behandlung begonnen werden darf. Neben der Gefahr der Versauerung des Zuckerwasser besteht dann zusätzlich die Gefahr der Räuberei. Sollte trotzdem während der Behandlung gefüttert werden, nehmen die Bienen das bereitgestellte Futter nur sehr langsam auf. Nach 7 – 9 Tagen, dies ist in Abhängigkeit des verwendeten Verdunstungssysteme zu betrachten, muss der Verdunster wieder aufgefüllt werden. Dies ergibt sich aus der regulären Große der Verdunstungskammer von 80 – 140ml und einer Verdunstungsmenge von bis zu 12ml, sodass der Inhalt nicht bis zum Ende der Behandlung reichen kann. Erst nach frühestens 2 Wochen sollte eine Nachschau des Behandlungsergebnisses in der Windel erfolgen. Solange kann es dauern bis sich die vollständige Wirkung der Ameisensäure entfaltet hat und die Milben von den Bienen abfallen bzw. Milben welche in den Zellen mit verdeckelt wurden durch das Schlüpfen der Bienen ausgekehrt werden.

Nach der Behandlungs- und Wartezeit sollte maximal 1 Milbe je Tag auf die Windel abfallen, andernfalls ist eine Nachbehandlung mit Oxalsäure, Milchsäure oder ähnlichem im November und Dezember notwendig. Weil junge Königinnen sehr empfindlich auf Ameisensäure reagieren, sollte entsprechend weniger Ameisensäure mit der minimalen Verdunstungsmenge von 7 – 8 ml je Zarge und Tag eingesetzt und die Behandlung anstelle dessen über einen längeren Zeitraum fortgeführt werden.

Details zur Ameisensäure

Wirkungsgradsehr hoch (bis zu 95%)
Anwendungsmenge100ml – 200ml
Zeitaufwand5 – 15 Minuten
AnwendungszeitraumAugust - September
BesonderheitBehandlung mit offener Brut
Kosten5 – 7 EUR/Liter (85%ige Lösung)

Bezugsquellen

Wird nur wenig Ameisensäure benötigt, in der Regel reicht für die meisten Imker ein bis zwei Flaschen, kann dieser Bedarf im Imkereifachhandel oder in der Apotheke bezogen werden. Werden größere Mengen benötigt oder ist es erforderlich preisoptimiert zu beschaffen, dann können Mengen ab 20 Liter auch direkt bei den Herstellern bezogen werden. In der Regel ist die Ameisensäure mind. 2 Jahre haltbar, sodass zumindest für 2 Saisons kalkuliert werden kann. Weil zumeist alle gewissenhaften Imker ebenfalls Ameisensäure gegen die Varroa einsetzen, kann in einer Bezugsgemeinschaft schnell die Mindestbestellmenge erreicht werden.

In einige Bundesländern wird die Beschaffung von Ameisensäure zudem subventioniert und kann wesentlich günstiger auch über den Imkerverein oder die Landeszentrale beschafft werden. Hier sind aber oft die Bestellfristen einzuhalten und man muss den Bedarf bereits im Frühjahr anmelden.

Eine Auswahl direkter Bezugsquellen und Hersteller ist nachfolgend aufgelistet.

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