Interview mit dem Anbauverband Naturland e.V.

In der Interviewserien ökologische Anbauverbände führen wir im dritten Artikel ein Interview mit dem Naturland e.V. und dessen Ansprechpartner für den Betriebszweig Imkerei Mario Hümpfer durch. Herr Hümpfer betreut die aktiven Ökoimker nach den Naturland Richtlinien und hilft interessierten Imkern bei der Umstellung auf die ökologische Honigerzeugung und Bienenhaltung.

Logo Naturland e.V. | Quelle: Naturland e.V. / www.naturland.de
Neben den klassischen Erzeugerbereichen der Agrarwirtschaft wie Milchvieh- und Schweinehaltung, werden durch den Naturland e.V. auch Weinbau, Aquakultur und Imkerei nach den eigenen ökologischen Richtlinien.Logo Naturland e.V. | Quelle: Naturland e.V. / www.naturland.de

Hallo Herr Hümpfer, stellen Sie doch bitte den Naturland e.V. und deren Ziele kurz vor.

Der Naturland e.V. ist ein ökologischer Erzeugerverband der die ökologische Bewirtschaftung und Lebensmittelverarbeitung unterstützt, vertritt und weiter voranbringen möchte. Dies geschieht durch Öffentlichkeitsarbeit, politische Interessensvertretung, Vermarktungskoordination und fachliche Beratung. Durch den hohen Bekanntheitsgrad unseres Qualitätszeichens welches auch die Vermarktungsmöglichkeiten positiv beeinflusst und durch stetige politische Arbeit unserer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitglieder hat sich der Naturland e.V. zu einem anerkannten Warenzeichen für ökologisch erzeugte Produkte etabliert.

Der Naturland e.V. unterstürzt neben den Betriebszweigen Ackerbau und Viehhaltung auch die Imkerei, welche Vorteile kann dieser Zweig aus einer Mitgliedschaft im Verein ziehen?

Ein Imker der sich für eine Mitgliedschaft bei Naturland entschließt profitiert zum einen bei der Vermarktung seiner Produkte und kann mit dem Naturland-Zeichen werben. Das Zeichen vermittelt dem Verbraucher Sicherheit über die Qualität und Herkunft des Produktes. Die speziellen Interessen des Imkers werden durch die politische Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit vertreten, z.B. in den Bereichen ökologische Wirtschaftsweise, Natur- und Landschaftsschutz, Fairness, Schonung der Ressourcen etc. So vertritt Naturland seine Imker gegenüber dem Gesetzgeber bei Änderungen der EG-Öko-Verordnung und entwickelt seine eigenen – noch strengeren Richtlinien – auch für Imker kontinuierlich weiter. Für ihre Endkundenkommunikation können Naturland Imker auf eine Vielzahl zielgruppengerecht aufgearbeiteter Infos zur Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung zurückgreifen. Bei Fragen und Problemen finden Verbraucher bei einem speziellen Ansprechpartner für Naturland Kunden Hilfe.

Viele Imkereien stellen allmählich auf eine ökologische Betriebsweise um, wie läuft eine Zertifizierung gemeinsam mit dem Naturland e.V. ab?

Naturland beauftragt die jeweiligen Kontrollstellen im Zuge der jährlichen Öko-Kontrolle auf die Naturlandrichtlinien abzuprüfen. Die Ergebnisse der Kontrolle werden dann an Naturland übermittelt und nach einer genauen Prüfung der Einhaltung der Richtlinien wird das Naturlandzertifikat ausgestellt. Entsprechende Kriterien sind zum Beispiel die Verwendung von Beuten oder Körbe aus natürlichen und nachwachsenden Materialien aber auch der Verzicht auf das Beschneiden der Königinnen nach dem Begattungsflug. Unsere Richtlinien als deutscher Öko-Verband gehen in einigen Bereichen deutlich über die Anforderungen der EG-Öko-Verordnung hinaus.

Die Umstellung auf ökologische Bienenhaltung ist ein kontinuierlicher Prozess, wie lange dauert es in der Regel bis eine Imkerei zertifiziert ist und was ist nach der Zertifizierung für den Imker zu tun.

Die Umstellung dauert in der Regel 12 Monate. In dieser Zeit muss der Wachskreislauf der Völker ausgetauscht werden, soweit dies eine erste Wachsanalyse erfordert. Während und nach der Umstellung dürfen nur noch ökologisch anerkannte Betriebsmittel (Mittelwände, Anfangsstreifen, Zucker, Varroabehandlung…) eingesetzt werden und über den Waren-/Betriebsmittel Ein- und Ausgang ist genau Buch zu führen. Alle getätigten Handlungsschritte müssen immer eindeutig nachvollziehbar und dokumentiert sein, sodass eine Kontrolle jederzeit möglich ist.

Welche Ansprüche und Anforderungen stellt der Naturland e.V. an seine Mitglieder insbesondere an die in der Imkerei tätigen?

Der Imker sollte sich mit dem Naturland Leitbild identifizieren können, nämlich das Naturland und seine Betriebe einen Beitrag zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen, der Biodiversität, des Klimas und der tiergerechten Nutztierhaltung leisten. Und natürlich muss jedes Naturland Mitglied konsequent die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung und der Naturland Richtlinien einhalten.

Oft heißt es, dass eine Zertifizierung mit relativ hohen Kosten verbunden ist, wie entgegnen Sie diesen Kritikern?

Die Kontrollkosten die von den jeweiligen Kontrollstellen erhoben werden variieren teilweise stark zwischen den unterschiedlichen Unternehmen. Naturland hat darauf leider allerdings keinen direkten Einfluss. Die Naturland Beitragssätze für Imkereien gehören zu den niedrigsten unter den verschiedenen Anbauverbänden. Genauere Informationen zu den entstehenden Kosten müssen aber für jeden Einzelfall gesondert betrachtet werden. Es empfiehlt sich hierzu mit uns in direkten Kontakt zu treten um eine genaue Kostenaufstellung zu erhalten.

Die Umstellung auf eine ökologische Betriebsweise der Bienenhaltung bietet den Imkern wesentliche Argumentationsvorteile beim Vertrieb des produzierten Bienenhonigs. Gerade kleine Hobbyimkereien verkaufen ihren Honig nur an eine kleine Käufergruppe, wie können diese trotzdem von einer Umstellung überzeugt werden?

Oft arbeiten diese kleinen Imkereien sowieso schon nach ökologischem Vorbild. Als Naturland Mitglied sind sie keine Einzelkämpfer. Sie können sich mit vielen Kollegen austauschen und unterstützen – auch branchenübergreifend. Wie wichtig dies ist, erfahren gerade die Imker täglich am Beispiel der Agro-Gentechnik mit ihren gravierenden Einflüssen auf die Bienen und den Honig. Allerdings müssen der erhöhte Dokumentationsaufwand, der Einsatz teurer Betriebsmittel (vor allem ökologisch erzeugter Zucker zur Einwinterung) und die verhältnismäßig hohen Kosten für die Kontrollstellen, durch einen höheren Verkaufspreis des Honigs ausgeglichen werden. Bei kleineren Imkereien mit ca. 20 Wirtschaftsvölkern müssten demnach 500 Gramm Honig um ca. 40 – 50 Cent teurer verkauft werden. Dies ist aber durch den üblichen Preisabstand zwischen konventionell und ökologisch erzeugten Lebensmitteln, zu rechtfertigen. Dennoch ist es immer noch schwierig, vor allem kleinere Imkereien zur Umstellung auf Öko-Zertifizierung zu überzeugen.

Vielen Dank für das Interview, zu guter Letzt würden unsere Leser gerne noch wissen, wie interessierte Imker sich bei Ihnen zu einer Zertifizierung anmelden können?

Jeder Interessent kann sich gerne via Telefon oder E-Mail bei mir melden und bekommt dann genaue Informationen wie der weitere Ablauf zur Zertifizierung für den ökologisch erzeugten Honig abläuft.

Mario Hümpfer | Quelle: Naturland e.V. / www.naturland.de
Mario Hümpfer, unser Interviewpartner vom Naturland e.V., zuständig für den Betriebszweig „Imkerei“ und der Zertifizierung von Imkern nach ökologischen Kriterien der nachhaltigen Bewirtschaftung.Mario Hümpfer | Quelle: Naturland e.V. / www.naturland.de

Kontaktadresse
Mario Hümpfer
Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.
Wendelinusstr. 13
97708 Großenbrach/Bad Bocklet
Tel.: +49 (0) 9708-704 440
m.huempfer@naturland-beratung.de
Naturland – Betriebszweig Imkerei

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