Ob klassische Bienenbeute / Bienenkasten oder moderne Magazinbeute, ohne ein korrekt angelegtes Flugloch kommt kein Bienenvolk aus. Der exakt definierte Ein- und Ausgang ermöglicht es den Arbeiterinnen, Nektar und Pollen einzutragen, den Stock bei Hitze durch Flügelschlag zu kühlen und sich vor Räubern zu schützen. Dieser Artikel fasst alle wesentlichen Aspekte rund um Lage, Größe, saisonale Anpassung und Nutzungsmöglichkeiten des Fluglochs zusammen und zeigt, worauf Imker unbedingt achten sollten.

Inhaltsverzeichnis
Flugloch, dass Zentrale Tor zur Außenwelt
Das Flugloch ist für die Bienen weit mehr als eine Öffnung. Es ist der einzige regulierte Zugang zur Behausung, über den der gesamte Sammel- und Kühlverkehr läuft. Ohne diesen Kanal könnten die Arbeiterinnen weder Ressourcen einbringen noch die innere Temperatur bei Sommerhitze herabsetzen, indem sie kühlende Luft in die Beute fächeln.

Die Bienen nutzen das Flugloch als Ein- und Ausgang zur Beute. Wächterbienen achten darauf, dass keine fremden Bienen eindringen.
Flugloch | Eigene Darstellung
Optimale Ausrichtung – Süden bis Südosten
Imker richten das Flugloch vorzugsweise nach Süden oder Südosten aus. So wecken die ersten Sonnenstrahlen das Volk sanft und wärmen es rasch für einen frühen Ausflug. Gleichzeitig sollte direkte Mittag- und Nachmittagssonne vermieden werden: Übermäßige Hitze zwingt tausende Bienen an die Außenseite, wo sie als „Bienenbart“ die Temperatur durch intensives Wedeln zu senken versuchen.
Die richtige Größe: „So groß wie nötig, so klein wie möglich“
Ein zu weites Flugloch wäre ein „Scheunentor“ für Räuber, ein zu enges bremst den Sammelbetrieb. In der Trachtzeit genügt erfahrungsgemäß ein Spalt von 14 – 20 mm Höhe über die gesamte Beutenbreite, abhängig von der Volkstärke. Zusätzlich erleichtert ein langes Flugbrett oder eine Anflughilfe das Flugbrett den sicheren Landeanflug, wenn reger Betrieb herrscht.
Saisonale Anpassung mit dem Fluglochkeil / Fluglochschieber
Sinkt der Flugbetrieb im Herbst, wird der Öffnungsspalt mithilfe eines Fluglochkeils (Fluglochschieber) drastisch reduziert: auf etwa 5 – 10 cm Breite bei nur wenigen Millimetern Höhe. Fluglochschieber gibt es aus Edelstahl oder auch Kunststoff. Im Winter bleibt diese Enge bestehen, um das Innere warm zu halten und ungebetene Eindringlinge fernzuhalten.
Den Fluglochkeil bzw. Fluglochschieber gibt es für alle gängigen Magazinbeuten:
- Fluglochschieber Zander
- Fluglochschieber Segeberger
- Fluglochschieber Dadant
- Fluglochschieber DNM
Wächterbienen am Flugloch – natürliche Sicherheit
Die Verengung entlastet die im Herbst noch wenigen Wächterbienen. Diese übernehmen in den Tagen 18 bis 21 nach dem Schlüpfen die letzte Stock-Aufgabe, bevor sie selbst zu Flugbienen werden. Ihre Hauptaufgabe: das Volk gegen räubernde Bienen, Insekten oder Nagetiere zu verteidigen.
Frühwarnsystem für Krankheiten
Am Flugloch erkennt der Imker schnell Gesundheitsprobleme: Verkotungen oder gehäufte tote Bienen deuten auf Krankheiten hin. Auch lebende, orientierungslose oder schwache Tiere sammeln sich davor, ein alarmierendes Zeichen, das rasches Handeln erfordert!
Flugloch als Erntestelle
Vor dem Flugloch lassen sich wertvolle Bienenprodukte gewinnen. Ein Pollenkamm streift beim Passieren die Pollenhöschen ab. Für Bienengift wird kurzzeitig ein unter Spannung stehendes Absperrgitter aufgestellt, beim elektrischen Reiz spritzen die Bienen ihr Gift auf eine Glasscheibe. Diese Methode darf nur sehr begrenzt eingesetzt werden, da ständige Reizung die Tiere stark aggressiv macht.
Fazit
Das Flugloch ist Dreh- und Angelpunkt jeder Beute. Lage, Größe und saisonale Anpassung entscheiden darüber, ob ein Volk effizient sammelt, ausreichend gekühlt wird und gleichzeitig vor Räubern sowie Krankheiten geschützt ist. Wer das Flugloch konsequent optimiert, unterstützt seine Bienen nachhaltig und profitiert als Imker von gesunden, leistungsfähigen Völkern.
Häufig gestellte Fragen:
Wie groß sollte das Flugloch sein?
Die Größe des Fluglochs folgt der Faustregel „so groß wie nötig, so klein wie möglich“. Konkret bedeutet das während der Trachtzeit: Ein Spalt von 14 bis 20 mm Höhe über die gesamte Beutenbreite reicht, sofern die Volksstärke dies zulässt. Dadurch können viele Sammlerinnen gleichzeitig ein‑ und ausfliegen, ohne dass das Flugloch zum „Scheunentor“ für räubernde Bienen, andere Insekten oder gar Nagetiere wird.
Wann Flugloch verengen?
Sobald der Flugbetrieb im Herbst deutlich abnimmt, solltest du das Flugloch mithilfe eines Fluglochkeils auf 5 – 10 cm Breite bei wenigen Millimetern Höhe verengen. Diese Verengung bleibt über den Winter hinweg bestehen. Dadurch entlastest du die nur noch wenigen Wächterbienen und verhinderst zugleich unerwünschten Eindrang von Räubern.
Warum Flugloch nach Süden ausrichten?
Ein nach Süden oder Südosten gerichtetes Flugloch fängt die ersten Sonnenstrahlen des Tages ein. Folglich werden die Bienen früh geweckt und können sich an der aufgehenden Sonne aufwärmen, was einen zeitigen Ausflug ermöglicht. Gleichzeitig vermeidest du mit dieser Ausrichtung die intensive Mittag‑ und Nachmittagssonne; so überhitzt die Beute nicht.
Was ist ein Fluglochkeil?
Der Fluglochkeil ist ein Einsatz, der das Flugloch gezielt verengt. Im Herbst schiebst du ihn in die Öffnung, sodass nur noch ein schmaler Schlitz bleibt. Somit müssen die Wächterbienen eine wesentlich kleinere Fläche bewachen, während Zugluft reduziert wird und Mäusen der Zutritt verwehrt bleibt.
Wie schützt man das Flugloch vor Mäusen?
Vor Mäusen schützt du das Flugloch in erster Linie, indem du es nicht zu weit offen lässt. Die oben genannte Schlitzbreite von wenigen Millimetern im Winter verhindert, dass Nagetiere eindringen können.
Wozu dient ein Flugbrett am Flugloch?
Gerade bei starkem Flugbetrieb lohnt sich ein langes Flugbrett oder eine Anflughilfe. Diese erleichtert den Bienen den Landeanflug, weil sie bei großem Gedränge besser ansetzen können. Außerdem vermindert ein Flugbrett Kollisionen vor der Öffnung und sorgt dadurch für einen flüssigen Ein‑ und Ausflug.
Warum bilden Bienen einen Bart am Flugloch?
Steigt die Temperatur in der Beute durch starke Sonneneinstrahlung zur Mittags‑ oder Nachmittagszeit, verlassen tausende Bienen das Innere und hängen sich als „Bienenbart“ vor die Beute. Durch ständiges Flügelschlagen ventilieren sie kühlere Luft hinein und reduzieren so die Stocktemperatur.
Wie stelle ich das Flugloch im Winter ein?
Im Winter verbleibt der durch den Fluglochkeil verengte Schlitz von 5 – 10 cm Breite bei nur wenigen Millimetern Höhe. Somit bleibt die Wärme besser im Inneren, während gleichzeitig Räuber wie Mäuse und andere Insekten draußen bleiben. Die Wächterbienen können den schmalen Zugang problemlos kontrollieren.
Wie Pollenkamm am Flugloch befestigen?
Es kann Pollenkamm vor das Flugloch gestellt wird, damit die Bienen beim Vorbeigehen ihre Pollenhöschen an den Zinken abstreifen.
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