Die Bienenlaus (lateinisch: Braula coeca) ist ein faszinierender Parasit, der ausschließlich auf Honigbienen lebt. Obwohl sie als „Laus“ bezeichnet wird, handelt es sich tatsächlich um eine flügellose Fliege, die sich evolutionär an das Leben auf Bienen angepasst hat. Die Bienenlaus bevorzugt besonders die Bienenkönigin als Wirt und ernährt sich vom Futtersaft während der Nahrungsübergabe zwischen Arbeitsbienen und Königin. In der modernen Imkerei tritt dieser Parasit inzwischen selten auf, da die regelmäßigen Behandlungen gegen die Varroa-Milbe auch die Bienenlaus zurückgedrängt haben. Dennoch ist es für Imker wichtig, diesen Parasiten zu kennen und von anderen Bienenkrankheiten unterscheiden zu können.

Inhaltsverzeichnis
Was ist die Bienenlaus und wie erkennt man sie?
Die Bienenlaus ist mit einer Größe von etwa 1,5 mm und ihrer hellbraunen Färbung im Pelz der Honigbiene gut erkennbar. Obwohl sie auf den ersten Blick mit der gefürchteten Varroa-Milbe verwechselt werden kann, gibt es deutliche Unterschiede. Bei der Bienenlaus sind die drei Beinpaare klar aus dem Körper herausragend sichtbar, während die Varroa ihre Beinpaare unter dem Körper versteckt. Diese Unterscheidung ist in der Imkerei wichtig, da die Behandlungsmaßnahmen variieren können.
Die Bienenlaus klammert sich mit ihren sechs Beinen fest im Bienenpelz auf Höhe des Brustkorbes ein und kann dadurch selbst bei starken Erschütterungen nicht abfallen. Interessanterweise meiden diese Parasiten jedoch Flugbienen und verlassen diese meist vor deren Flugreife. Dennoch verbreitet sich die Bienenlaus durch Verflug und Räuberei zwischen verschiedenen Bienenvölkern.
Die Beziehung zwischen Bienenlaus und Honigbiene
Die Bienenlaus hat eine besondere Beziehung zur Honigbiene, die sich von vielen anderen Parasiten unterscheidet. Anders als die Varroa-Milbe oder andere Schädlinge saugt die Bienenlaus nicht das Blut der Biene, sondern stimuliert bei Bedarf das Insekt durch leichte Reize am Mund. Diese Stimulation veranlasst die befallene Biene zum Erbrechen kleiner Futtermengen, von denen sich der Parasit ernährt.
Hauptsächlich in Mitteleuropa verbreitet, gilt die Bienenlaus nicht als unmittelbarer Schädling, da sie die Honigbiene nicht dauerhaft schwächt. Sie ist vielmehr ein Nutznießer bei der Futterübergabe und ernährt sich nicht permanent von der Biene, sondern nur wenn sie Nahrung benötigt. Diese Art der Nahrungsaufnahme macht die Bienenlaus zu einem weniger bedrohlichen Parasiten für die Imkerei im Vergleich zu anderen Bienenkrankheiten.
Wie erkennt man einen Bienenlaus-Befall im Bienenvolk?
Ein Bienenlaus-Befall zeigt sich durch verschiedene Anzeichen im Bienenvolk. Auf einer einzelnen Biene oder Königin können mehrere Dutzend Bienenläuse sitzen. Bei starkem Befall werden die Arbeitsbienen aufgrund der ständigen Störung durch die Parasiten unruhig, nervös und neigen vermehrt zu Stechlust. Dies kann in der Imkerei zu Problemen führen, besonders wenn mit den Völkern gearbeitet wird.
Ist die Bienenkönigin stark befallen, kann dies zu einer Verringerung ihrer Legetätigkeit führen, was langfristig die Volksstärke beeinträchtigt. Die Bienenlaus legt ihre Eier nicht wie andere Parasiten in die Brutzellen, sondern klebt sie an die Wachsdeckel der Honigzellen. Nach dem Schlüpfen fressen sich die Larven durch die Waben. Ein deutliches Erkennungsmerkmal für einen starken Befall sind daher zahlreiche kleine Löcher in den verdeckelten Honigwaben – ein wichtiges Warnsignal für Imker, das von anderen Bienenkrankheiten unterschieden werden muss.
Auswirkungen der Bienenlaus auf die Imkerei
In der Imkerei kann ein starker Bienenlaus-Befall verschiedene negative Folgen haben. Die betroffenen Bienen zeigen durch die ständige Belästigung ein verändertes Verhalten. Besonders problematisch wird es, wenn die Bienenkönigin stark befallen ist und dadurch weniger Eier legt. Da die Königin das Herz jedes Bienenvolkes ist, kann dies die gesamte Volksgesundheit und Produktivität beeinträchtigen.
Die Larven der Bienenlaus schädigen zudem die Honigwaben, indem sie sich durch das Wachs fressen. Die entstehenden Löcher in den Honigwaben können die Qualität des Honigs beeinträchtigen und zu Verlusten führen. Für den Imker bedeutet dies zusätzlichen Aufwand, um die beschädigten Waben zu ersetzen oder zu reparieren.
Trotz dieser möglichen Probleme gilt die Bienenlaus im Vergleich zu anderen Bienenkrankheiten wie der Varroose oder der Amerikanischen Faulbrut als weniger gefährlich. Die Schäden bleiben meist begrenzt und führen selten zum Zusammenbruch eines gesunden Bienenvolkes.
Behandlungsmethoden gegen die Bienenlaus
Die Bekämpfung eines Bienenlaus-Befalls ist in der Imkerei vergleichsweise einfach. Eine wirksame Methode besteht darin, die Honigwaben zu entdeckeln. Dieses Vorgehen stört die Larvenentwicklung der Bienenlaus nachhaltig und unterbricht ihren Lebenszyklus.
Auch der Einsatz von Rauch aus dem Smoker, den viele Imker ohnehin bei ihrer Arbeit verwenden, reduziert die Aktivität der Bienenlaus erheblich. Der Rauch vertreibt die Parasiten und hindert sie an der Nahrungsaufnahme.
Bei besonders starkem Befall kann das Bienenvolk außerhalb der Tracht mit Ameisensäure behandelt werden. Diese Maßnahme sollte jedoch nur durchgeführt werden, wenn die Honigräume abgenommen wurden, um eine Kontamination des Honigs zu vermeiden. Interessanterweise hat der verstärkte Einsatz von Behandlungsmitteln gegen die Varroa-Milbe in den letzten Jahren die Bienenlaus stark zurückgedrängt, sodass ein Auftreten dieses Parasiten in der modernen Imkerei mittlerweile selten geworden ist.
Fazit: Die Bienenlaus in der modernen Imkerei
Die Bienenlaus stellt heute für die meisten Imker kein großes Problem mehr dar. Durch die regelmäßigen Behandlungen gegen die Varroa-Milbe, die in der modernen Imkerei Standard sind, wird die Bienenlaus indirekt mitbekämpft und tritt daher nur noch selten auf. Dennoch sollten Imker diesen Parasiten kennen und bei Bedarf angemessen reagieren können.
Im Gegensatz zu vielen anderen Bienenkrankheiten ist die Bienenlaus vergleichsweise harmlos und leicht zu behandeln. Sie verursacht in der Regel keine existenziellen Probleme für Bienenvölker und die Honigbiene kann mit einem geringen Befall gut leben. Die einfachen Behandlungsmethoden machen es möglich, einen stärkeren Befall schnell einzudämmen, ohne auf chemische Mittel zurückgreifen zu müssen.
Für die Imkerei ist es dennoch wichtig, alle Parasiten und Bienenkrankheiten zu kennen und zu überwachen, um die Gesundheit der Biene langfristig zu schützen. Ein aufmerksamer Blick des Imkers und regelmäßige Kontrollen sind der beste Schutz für unsere wichtigen Bestäuber.
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