Die Feglingsbildung ist eine einfache Methode in der Imkerei, um Bienenvölker zu vermehren und gleichzeitig den Schwarmtrieb zu reduzieren. Bei diesem Verfahren werden junge Bienen von ihren Waben in eine neue Beute gefegt, wodurch zwei nahezu gleichstarke Völker entstehen. Dies ist besonders für erfahrene Imker geeignet, die mit starken Bienenvölkern arbeiten und eine nachhaltige Bienenzucht betreiben möchten. Die Methode erfordert eine gute Vorbereitung und bietet neben der Völkervermehrung auch Vorteile für die Honigernte, da sie das Schwärmen verhindert und somit die Produktivität der Honigbienen sicherstellt.

Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Fegling in der Honigbienen Zucht?
Ein Fegling in der Bienenzucht ist ein neu gebildetes Bienenvolk, das durch das Abfegen junger Bienen von ihren Brutwaben entsteht. Im Gegensatz zum natürlichen Schwärmen kontrolliert der Imker diesen Prozess vollständig und schafft damit optimale Bedingungen für die Entwicklung eines neuen Volkes. Bei der Feglingsbildung werden die Jungbienen in eine neue Beute überführt, während die Flugbienen zum ursprünglichen Standort zurückkehren. Dadurch entsteht ein Volk aus überwiegend jungen Bienen (der Fegling) und ein Volk aus Flugbienen (der Flugling). Diese Methode nutzt das natürliche Verhalten der Honigbiene, da ältere Bienen zu ihrem bekannten Standort zurückfliegen, während die jüngeren Bienen am neuen Standort verbleiben. Für die erfolgreiche Bildung eines Feglings ist eine leistungsstarke Königin entscheidend, die im neuen Volk für stabile Entwicklung sorgt.
Vorteile der Feglingsbildung für die Imkerei
Die Bildung eines Feglings bietet zahlreiche Vorteile für die moderne Imkerei. Erstens verhindert sie effektiv den Schwarmtrieb der Bienen, da dem Volk gezielt junge Bienen entnommen werden, die hauptsächlich für das Schwärmen verantwortlich sind. Dadurch bleibt die Arbeitskraft im Ursprungsvolk erhalten, und der Honigertrag wird weniger beeinträchtigt. Zweitens ermöglicht die Methode eine kontrollierte Völkervermehrung ohne die Risiken, die mit dem natürlichen Schwärmen verbunden sind. Und drittens kann der Imker den optimalen Zeitpunkt selbst bestimmen und muss nicht auf natürliche Schwarmtendenzen warten.
Obwohl beide resultierenden Völker während einer Tracht einzeln weniger Honig produzieren als ein ungeteiltes Volk, führt die Feglingsbildung langfristig zu einer Steigerung der Gesamtproduktion. Zudem bietet diese Methode die Möglichkeit, mit gezielter Königinnenzucht die genetischen Eigenschaften der Bienenvölker zu verbessern und dabei auf wertvolle Merkmale wie Sanftmut, Honigertrag oder Krankheitsresistenz zu achten.
Zeitpunkt und Voraussetzungen für einen erfolgreichen Fegling
Der ideale Zeitpunkt für die Bildung eines Feglings in der Imkerei liegt im späten Frühjahr oder frühen Sommer, wenn die Bienenvölker bereits stark sind und genügend Jungbienen vorhanden sind. Die Hauptvoraussetzung ist ein gesundes und starkes Ursprungsvolk mit mindestens 8-10 gut besetzten Brutwaben. Außerdem sollte eine junge, leistungsstarke Königin vorhanden sein, da diese für den Aufbau des neuen Volkes entscheidend ist.
Die Witterungsbedingungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, denn warmes und stabiles Wetter erleichtert den Orientierungsflug der Bienen und die Entwicklung des neuen Volkes. Bei der Feglingsbildung während einer trachtarmen Zeit muss der Imker bereit sein, beide Völker mit ausreichend Futter zu versorgen.
Vor der Durchführung sollte der Imker alle notwendigen Materialien vorbereiten: eine leere Zarge mit Boden und Deckel, ausgebaute Mittelwände, Honigwaben und einen Wassersprüher für die Wasserwabe. Das Beherrschen der Königinnensuche ist für die erfolgreiche Bienenzucht mit dieser Methode unerlässlich, da die Königin identifiziert und eingefangen werden muss, bevor mit dem Abfegen begonnen wird.
Schritt-für-Schritt Anleitung zur Bildung eines Feglings in der Bienenzucht
Die Feglingsbildung beginnt mit der Vorbereitung einer leeren Beute mit Boden und Deckel. Als erstes muss der Imker die Königin im Ursprungsvolk finden und vorsichtig entnehmen, um sie später dem neuen Volk zuzusetzen. Dann werden alle Brutwaben aus dem Ursprungsvolk entnommen und in eine Beute gestellt. Es ist wichtig, dass sich die Bienen nun mit Honig vollsaugen, was das spätere Abfegen erleichtert.
Nach einigen Minuten Wartezeit werden die Honigbienen von den Waben in die vorbereitete neue Beute gefegt. Diese sollte neben dem Ursprungsvolk stehen, damit die Flugbienen zu ihrer bekannten Position zurückfliegen können. Die abgefegten Brutwaben werden in ihrer ursprünglichen Reihenfolge wieder in das Altvolk gehängt, wo sich nun hauptsächlich Flugbienen befinden – weshalb dieses auch als Flugling bezeichnet wird.
In das neu gebildete Fegling-Volk mit den jungen Bienen werden in die Mitte einige Leerwaben sowie eine einzige Brutwabe mit frischer Brut aus dem Altvolk gehängt. Am Rand platziert der Imker zwei Honigwaben und eine mit Wasser besprühte Wabe. Abschließend wird die zuvor entnommene Königin vorsichtig dem neuen Volk zugesetzt, das dann einige Meter vom Altvolk entfernt aufgestellt wird.
Versorgung und Pflege des neuen Feglings in der Imkerei
Die Betreuung eines neu gebildeten Feglings erfordert besondere Aufmerksamkeit in der Imkerei. Da sich im Fegling hauptsächlich Jungbienen befinden, die noch nicht als Sammlerinnen tätig sind, kann es in den ersten Tagen zu wenig oder gar keinem sichtbaren Flugbetrieb kommen. Dies ist normal und kein Grund zur Beunruhigung.
Bei der Bildung des Feglings während einer trachtlosen Zeit muss der Imker regelmäßig kontrollieren, ob die zugegebenen Honigwaben für die Ernährung ausreichen. Gegebenenfalls muss mit Futterteig oder Zuckerlösung nachgefüttert werden. Um Räubereien durch andere Bienenvölker zu verhindern, sollte die Fütterung nur in den Abendstunden erfolgen und das Flugloch des Feglings verengt werden.
Die Honigbienen im neuen Volk brauchen Zeit, um sich zu organisieren und mit der neuen Königin ein funktionierendes Volk zu bilden. Während dieser Phase sollte der Imker Störungen minimieren und nur notwendige Kontrollen durchführen. Etwa zwei Wochen nach der Bildung des Feglings kann die erste ausführliche Kontrolle stattfinden, um den Erfolg zu beurteilen und die Eiablage der Königin zu überprüfen. Bei optimaler Entwicklung wird der Fegling innerhalb weniger Wochen zu einem vollwertigen Bienenvolk heranwachsen und kann im Folgejahr als Produktionsvolk in der Bienenzucht eingesetzt werden.
Das Altvolk (Flugling) nach der Fegling-Teilung
Nach der Feglingsbildung besteht das Altvolk, nun als Flugling bezeichnet, hauptsächlich aus Flugbienen und Brutwaben mit Bienen in verschiedenen Entwicklungsstadien. Da dieses Volk keine Königin mehr besitzt, beginnen die verbliebenen Bienen sofort, aus vorhandenen jungen Larven Weiselzellen zu bilden, um eine neue Königin heranzuziehen. Dies ist ein natürlicher Prozess in der Honigbienen Zucht, zeigt aber auch, wie anpassungsfähig Bienenvölker sind.
Der Imker sollte diese Weiselzellen spätestens nach 7-9 Tagen kontrollieren und sie ausbrechen, wenn er dem Volk eine neue, bereits begattete Königin zusetzen möchte. Alternativ kann eine unbegattete Jungkönigin oder eine Königinnenzelle zugegeben werden. Diese Entscheidung hängt von den Zielen des Imkers und der verfügbaren Zeit in der Imkerei ab.
Der Standort des Fluglings ist wichtig, damit sich die Flugbienen nicht bei Nachbarvölkern einbetteln. Ein Abstand von 2-3 Metern zu anderen Völkern ist empfehlenswert. In der Regel ist jedoch der Schutztrieb der Bienen für ihr eigenes Volk und ihre Brut stärker als der Drang, sich einem fremden Volk anzuschließen, solange die Möglichkeit besteht, eine eigene Königin nachzuziehen.
Besonderheiten und Tipps bei der Feglingsbildung für Honigbienen
Bei der Feglingsbildung in der Imkerei gibt es einige wichtige Besonderheiten zu beachten, die den Erfolg maßgeblich beeinflussen. Erstens sollte der neue Fegling nicht unmittelbar neben anderen Bienenvölkern platziert werden, sondern mit ausreichendem Abstand, um Verwirrung und Verwechslung bei den Honigbienen zu vermeiden.
Zweitens ist das Timing entscheidend: Die beste Zeit für die Bildung eines Feglings ist der späte Vormittag oder frühe Nachmittag an einem warmen, sonnigen Tag, wenn viele Sammelbienen unterwegs sind. So verbleiben mehr Jungbienen auf den Waben, die dann abgefegt werden können.
Drittens kann der Imker die Annahme der Königin im Fegling verbessern, indem er sie in einem Käfig mit Futterteigverschluss zugibt. Dies gibt den Bienen Zeit, sich an den Geruch der Königin zu gewöhnen, bevor sie direkten Kontakt haben.
Ein weiterer wichtiger Tipp für die Bienenzucht ist die Verwendung von Absperrgittern während der ersten Tage, um zu verhindern, dass die Königin den neuen Fegling verlässt. Auch sollte bei trachtarmen Bedingungen besonders auf ausreichende Futterversorgung geachtet werden, da der Fegling aufgrund der fehlenden Flugbienen anfangs nicht selbständig Nektar sammeln kann. Mit diesen Tipps wird die Feglingsbildung zu einer erfolgreichen Methode der Völkervermehrung in der modernen Honigbienen Zucht.
Fazit: Fegling als wichtige Methode in der Bienenzucht
Die Feglingsbildung stellt eine wertvolle und effiziente Methode in der Imkerei dar, um Bienenvölker zu vermehren und gleichzeitig den Schwarmtrieb zu kontrollieren. Durch die gezielte Trennung von Jungbienen und Flugbienen schafft der Imker zwei lebensfähige Völker mit unterschiedlichen Charakteristiken. Diese Methode ermöglicht eine kontrollierte Entwicklung beider Völker und trägt zur Stabilität und Gesundheit des Bienenbestands bei.
Obwohl die Feglingsmethode eine kurzzeitige Reduzierung des Honigertrags bedeuten kann, überwiegen die langfristigen Vorteile für die Bienenzucht. Die Honigbienen profitieren von der verringerten Schwarmneigung und der Imker gewinnt ein zusätzliches Volk ohne die Risiken des natürlichen Schwärmens. Besonders für erfahrene Imker mit starken Völkern bietet diese Technik eine zuverlässige Alternative zur konventionellen Ablegerbildung.
Die Feglingsbildung zeigt exemplarisch, wie moderne Imkerei natürliche Verhaltensweisen der Bienen nutzt und gleichzeitig die Völkerführung optimiert. Mit dem richtigen Timing, sorgfältiger Vorbereitung und angemessener Nachsorge ist der Fegling eine nachhaltige Methode, um den Bienenbestand zu erweitern und die Gesundheit der Honigbienen langfristig zu fördern.
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