Afterweisel stellen eine besondere Herausforderung in der Imkerei dar. Diese eierlegenden Arbeitsbienen entstehen, wenn ein Bienenvolk seine Königin verliert und keine Möglichkeit hat, rechtzeitig eine neue heranzuziehen. In dieser Situation entwickeln einige Arbeiterinnen ihre Eierstöcke und beginnen mit der Ablage unbefruchteter Eier. Da diese Eier ausschließlich zu Drohnen heranwachsen, führt dieser Zustand unbehandelt zum Absterben des Volkes. Der folgende Artikel erklärt, wie Afterweisel entstehen, wie man sie erkennt und welche Maßnahmen Imker ergreifen können, um betroffene Völker zu retten. Zudem werden Präventionsstrategien vorgestellt, die helfen, dieses Problem in der Bienenzucht zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis
Wie entstehen Afterweisel im Bienenvolk?
Die Entstehung von Afterweiseln hängt direkt mit dem Verlust der Königin zusammen. In einem gesunden Bienenvolk sondert die Königin kontinuierlich Pheromone ab, die die Entwicklung der Eierstöcke bei den Arbeitsbienen hemmen. Wenn die Bienen ihre Königin verlieren und nicht in der Lage sind, aus jungen Maden (1-3 Tage alt) eine neue Weisel heranzuziehen, entfällt dieser hemmende Einfluss.
Nach etwa 10-14 Tagen ohne Königin beginnen einige Arbeitsbienen ihre Ovarien zu entwickeln. Diese Entwicklung erfolgt besonders schnell, wenn das Volk keine offene Brut mehr hat. Denn junge Larven produzieren ebenfalls Substanzen, die die Eierstockentwicklung bei Arbeiterinnen hemmen können.
Die Bienenzucht kennt dieses Phänomen seit langem, und erfahrene Imker wissen, dass besonders Winterbienen oder Bienen in kleinen Begattungsvölkern anfällig für die Entwicklung zu Afterweiseln sind. Da diese Entwicklung ein natürlicher biologischer Prozess ist, versucht das Volk damit sein Überleben zu sichern, auch wenn dieser Versuch letztlich zum Scheitern verurteilt ist.
Merkmale und Erkennung von Afterweiseln in der Imkerei
Das Erkennen von Afterweiseln im Bienenvolk erfordert einen aufmerksamen Blick des Imkers. Im Gegensatz zu einer echten Königin sind die Afterweisel äußerlich nicht von normalen Arbeitsbienen zu unterscheiden. Daher muss man auf das Brutbild achten, welches deutliche Anzeichen liefert.
Ein typisches Merkmal ist das unregelmäßige Brutmuster. Während eine gesunde Königin ein geschlossenes Brutbild erzeugt, legen Afterweisel ihre Eier wahllos und oft mehrere in eine Zelle. Zudem befinden sich die Eier häufig an den Zellwänden statt am Zellboden, da den Arbeitsbienen der lange Hinterleib der Königin fehlt.
Ein weiteres Kennzeichen ist das Vorhandensein ausschließlich von Drohnenbrut. Da Afterweisel keine Samenblase besitzen und nicht begattet wurden, können sie nur unbefruchtete Eier legen, aus denen Drohnen schlüpfen. Auch werden die Zellen mit hochgewölbten Drohnendeckeln verdeckelt, selbst wenn sie sich in Arbeiterinnenzellen befinden.
Oft sind in einem betroffenen Volk mehrere Afterweisel aktiv, was zu einer besonders uneinheitlichen Eiablage führt. Diese Unregelmäßigkeiten sind für jeden Imker ein deutliches Warnsignal und erfordern schnelles Handeln in der Bienenzucht.
Auswirkungen der Afterweisel auf die Gesundheit des Bienenvolks
Die Präsenz von Afterweiseln hat gravierende Folgen für das Bienenvolk. Da ausschließlich unbefruchtete Eier abgelegt werden, aus denen nur Drohnen schlüpfen, fehlt der Nachschub an Arbeitsbienen. Dies führt zu einer dramatischen Verschiebung im Volksgefüge der Honigbienen.
Mit jeder vergehenden Woche nimmt die Anzahl der Arbeitsbienen ab, während gleichzeitig mehr Drohnen schlüpfen. Diese Drohnen tragen jedoch nicht zur Versorgung des Volkes bei, da sie weder sammeln noch andere Arbeiten verrichten. Stattdessen verbrauchen sie wertvolle Ressourcen.
Nach spätestens 42 Tagen – der natürlichen Lebensdauer einer Arbeitsbiene während der Saison – wird das Bienenvolk keine Sammlerinnen mehr haben. Dadurch kommt die Versorgung mit Nektar und Pollen zum Erliegen, und das Volk verhungert trotz möglicherweise vorhandener Vorräte, da diese nicht mehr umgetragen werden können.
Zusätzlich verfallen Afterweisel-Völker oft in einen Zustand der permanenten Aufregung und Desorientierung. Die fehlende Führung durch eine echte Königin und ihre Pheromone beeinträchtigt die normale Kommunikation und Arbeitsteilung im Bienenvolk. Für die Imkerei bedeutet ein nicht erkannter Afterweisel-Befall daher immer den Verlust des betroffenen Volkes.
Praktische Maßnahmen bei Afterweisel-Befall in der Bienenzucht
Entdeckt ein Imker Afterweisel in seinem Bienenvolk, sind schnelle und entschlossene Maßnahmen erforderlich. Das einfache Zusetzen einer neuen Königin funktioniert in der Regel nicht, da die Afterweisel und ihre Begleitbienen die neue Weisel sofort angreifen und töten würden.
Eine bewährte Methode ist das Abfegen der Bienen in einiger Entfernung vom Bienenstand. Dabei nutzt man die Tatsache, dass Afterweisel durch ihre Eiablage meist flugunfähig oder zumindest flugschwach geworden sind. Die gesunden Arbeitsbienen finden zurück zum Stand, während die Afterweisel zurückbleiben und verenden.
Anschließend kann das nun weisellose Volk mit einem gesunden Volk vereinigt oder ihm nach einigen Stunden eine neue, begattete Königin zugesetzt werden. Voraussetzung ist jedoch, dass noch genügend Arbeitsbienen vorhanden sind, um die Königin zu pflegen und die entstehende Brut zu versorgen.
Alternativ können Imker auch Brutwaben mit jungen Arbeiterinnen aus anderen Völkern zuhängen, um die Volksstärke zu erhöhen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in schnellem Handeln, sobald die ersten Anzeichen von Afterweiseln in der Bienenzucht bemerkt werden.
Prävention von Afterweiseln in der modernen Imkerei
Die beste Strategie gegen Afterweisel ist die Prävention. Erfahrene Imker wissen, dass regelmäßige Kontrollen der Bienenvölker unerlässlich sind, um den Weisselzustand zu überprüfen. Besonders nach dem Schwärmen oder nach Manipulationen am Volk sollte die Anwesenheit der Königin oder zumindest von frischen Eiern verifiziert werden.
In der professionellen Bienenzucht empfiehlt sich das Zeichnen der Königinnen, um sie bei Kontrollen schneller zu finden. Zudem sollten Imker stets einige befruchtete Reserveköniginnen oder weiselsichere Ableger bereithalten, um bei Bedarf eingreifen zu können.
Eine weitere präventive Maßnahme ist das Einhängen einer offenen Brutwabenprobe, wenn Weisellosigkeit vermutet wird. Die junge Brut gibt Pheromone ab, die die Entwicklung von Afterweiseln verzögern. Gleichzeitig erhält das Bienenvolk die Möglichkeit, aus der jungen Brut Nachschaffungszellen zu ziehen.
Modernere Ansätze in der Imkerei umfassen auch das Monitoring der Volksaktivität durch elektronische Hilfsmittel, die ungewöhnliche Verhaltensmuster frühzeitig anzeigen können. Dadurch können Imker rechtzeitig reagieren, bevor Afterweisel entstehen und das Bienenvolk in Gefahr bringen.
Saisonale Risiken für die Entstehung von Afterweiseln
Das Risiko für die Entwicklung von Afterweiseln variiert im Jahresverlauf erheblich. Besonders gefährdet sind Bienenvölker während der brutarmen oder brutfreien Perioden. Im Winter, wenn das Volk hauptsächlich aus langlebigen Winterbienen besteht, fehlen die hemmenden Einflüsse der Brut auf die Eierstockentwicklung der Arbeitsbienen.
Auch im Frühjahr, wenn die Bienenzucht mit der Bildung von Ablegern und Begattungsvölkern beginnt, steigt das Risiko. Kleine Einheiten, die ihre Königin beim Begattungsflug verlieren, entwickeln oft schnell Afterweisel. Daher sollten Begattungsvölker besonders aufmerksam kontrolliert werden.
Während der Haupttrachtzeit im Sommer ist die Gefahr geringer, da starke Völker in der Regel schnell Nachschaffungszellen ziehen können. Dennoch kann es auch hier zu Problemen kommen, wenn die Königin plötzlich ausfällt und keine geeigneten jungen Larven für die Nachzucht vorhanden sind.
Erfahrene Imker passen ihren Kontrollrhythmus an diese saisonalen Risiken an und achten besonders in den kritischen Phasen auf Anzeichen von Weisellosigkeit. Diese vorausschauende Herangehensweise ist ein Kennzeichen professioneller Imkerei und schützt die wertvollen Honigbienen vor dem Verlust durch Afterweisel.
Biologische Hintergründe der Afterweisel-Entwicklung
Die Entstehung von Afterweiseln ist ein faszinierendes Beispiel für die komplexe Biologie der Honigbiene. Normalerweise unterdrücken die Königinnenpheromone und bestimmte Substanzen in der Brut die Entwicklung der Eierstöcke bei Arbeitsbienen. Diese biologische Kontrolle sichert die Arbeitsteilung im Bienenvolk.
Interessanterweise sind nicht alle Arbeitsbienen gleichermaßen anfällig dafür, zu Afterweiseln zu werden. Forschungen zeigen, dass vor allem jüngere Bienen, die noch nicht als Sammlerinnen tätig waren, diesen Entwicklungsweg einschlagen können. Die Umbildung der verkümmerten Eierstöcke zu funktionsfähigen Organen benötigt etwa zwei Wochen.
Aus evolutionsbiologischer Sicht stellt die Entwicklung von Afterweiseln einen letzten Versuch des Bienenvolkes dar, seine Gene weiterzugeben. Da die Arbeitsbienen mit der Königin verwandt sind, tragen die von ihnen erzeugten Drohnen zumindest einen Teil des genetischen Materials des Volkes weiter.
Für die Imkerei ist das Verständnis dieser biologischen Zusammenhänge wichtig, um angemessen auf das Problem reagieren zu können. Moderne Bienenzucht nutzt dieses Wissen, um bessere Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln und die Gesundheit der Bienenvölker zu erhalten.
Fazit: Umgang mit Afterweiseln in der erfolgreichen Imkerei
Afterweisel stellen eine ernstzunehmende Herausforderung in der Bienenzucht dar, die ohne rechtzeitiges Eingreifen zum Verlust des betroffenen Bienenvolkes führt. Die Erkennung dieser eierlegenden Arbeitsbienen erfordert regelmäßige und sorgfältige Kontrollen der Völker durch den Imker.
Für eine erfolgreiche Imkerei ist das Wissen um die Entstehung, Erkennung und Behandlung von Afterweiseln unerlässlich. Die beste Strategie bleibt jedoch die Prävention durch aufmerksame Beobachtung und rechtzeitiges Handeln bei Anzeichen von Weisellosigkeit.
Erfahrene Imker halten stets Reserveköniginnen bereit und achten besonders in kritischen Phasen auf den Zustand ihrer Bienenvölker. Zudem hilft ein grundlegendes Verständnis der biologischen Zusammenhänge, angemessen und effektiv auf Probleme zu reagieren.
Die moderne Bienenzucht entwickelt kontinuierlich bessere Methoden zum Umgang mit Afterweiseln. Dennoch bleibt die aufmerksame Beobachtung durch den Imker der wichtigste Faktor zum Schutz der Honigbienen. Mit dem richtigen Wissen und rechtzeitigem Handeln lassen sich die negativen Auswirkungen von Afterweiseln minimieren und die Gesundheit und Produktivität der Bienenvölker erhalten.
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