Drohnenbrütige Bienenvölker stellen eine ernsthafte Herausforderung für jeden Imker dar. Wenn ein Bienenvolk drohnenbrütig wird, produziert es ausschließlich unbefruchtete Eier, aus denen nur Drohnen schlüpfen können. Dieses Problem tritt in verschiedenen Formen auf und hat unterschiedliche Ursachen. In diesem Artikel betrachten wir die drei Hauptformen der Drohnenbrütigkeit: die Buckelbrut, die Fehlbrut und die echte Drohnenbrütigkeit mit Afterweiseln. Außerdem erklären wir, wie Sie diese Zustände erkennen und wirksam behandeln können. Da die Honigbiene für die Bienenzucht und Bestäubung unverzichtbar ist, hilft das Wissen über drohnenbrütige Völker dabei, Ihre Bienenstöcke gesund zu halten und Verluste zu vermeiden. Die rechtzeitige Erkennung und Behandlung ist entscheidend, denn nach etwa sechs Wochen führt Drohnenbrütigkeit zum Totalverlust des Bienenvolkes.

Inhaltsverzeichnis
Drohnenbrütigkeit erkennen – Anzeichen und Merkmale
Die Erkennung eines drohnenbrütigen Zustands ist für den Erfolg in der Imkerei entscheidend. Hauptsächlich fällt ein solcher Zustand durch die charakteristischen, hervorstehenden Drohnenzellen auf. Wenn Sie bei der Durchsicht Ihrer Bienenstöcke eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Drohnenzellen bemerken, sollten Sie aufmerksam werden. Diese Zellen sind größer und ragen deutlich aus der Wabenfläche heraus.
Ein weiteres Anzeichen kann ein unregelmäßiges Brutnest sein. Bei normalen Bienenvölkern finden Sie ein gleichmäßiges Brutmuster vor. Drohnenbrütige Völker hingegen zeigen oft lückenhafte Brutmuster und manchmal mehrere Eier in einer Zelle.
Die Position der Eier gibt ebenfalls Hinweise. In gesunden Völkern legt die Königin die Eier zentral am Zellboden. Bei drohnenbrütigen Völkern, besonders wenn Afterweiseln aktiv sind, werden die Eier oft an den Zellwänden oder unregelmäßig platziert.
Zudem sollten Sie das Verhalten der Bienen beobachten. Ein drohnenbrütiges Volk wirkt oft unruhiger und kann eine verringerte Sammelaktivität zeigen. Die frühzeitige Erkennung ermöglicht schnelles Handeln und erhöht die Chancen, das Volk zu retten.
Buckelbrut – Wenn die Königin in der Imkerei altert
Die Buckelbrut ist eine Form der Drohnenbrütigkeit, die auftritt, wenn die Königin des Bienenvolkes die Fähigkeit verliert, befruchtete Eier zu legen. Dieses Phänomen wird auch als Greisenbrütigkeit bezeichnet und betrifft häufig ältere Königinnen in der Imkerei.
Eine Königin kann normalerweise zwischen befruchteten und unbefruchteten Eiern wählen. Bei der Buckelbrut funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr, sodass ausschließlich unbefruchtete Eier produziert werden, aus denen nur Drohnen schlüpfen können. Der Name „Buckelbrut“ stammt vom charakteristischen Erscheinungsbild der verdeckelten Waben, die durch die größeren Drohnenzellen wie buckelig aussehen.
Die Behandlung der Buckelbrut erfordert entschlossenes Handeln. Der Imker muss die alte Königin finden, entfernen und durch eine junge, begattete Königin ersetzen. Zusätzlich sollte eine Brutwabe mit sehr jungen Eiern (1-3 Tage alt) aus einem gesunden Volk eingesetzt werden, damit die Bienen Nachschaffungszellen bilden können.
Nach etwa neun Tagen, wenn die neue Brut verdeckelt ist, werden die Nachschaffungszellen entfernt und eine neue Königin über einen Ausfresskäfig eingehängt. Während dieser Phase muss sorgfältig beobachtet werden, ob die neue Königin von den Arbeiterinnen akzeptiert wird. Eine erfolgreiche Behandlung ermöglicht dem Volk, wieder eine gesunde Bienenzucht zu entwickeln.
Fehlbrut – Die unbegattete Königin in der Bienenzucht
Die Fehlbrut stellt eine weitere Form der Drohnenbrütigkeit dar und tritt auf, wenn eine junge Königin nicht erfolgreich begattet wurde. Diese auch als Jungfernbrütigkeit bekannte Situation entsteht meist, wenn ungünstige Witterungsbedingungen einen Begattungsflug verhindert haben. In der Bienenzucht ist dieses Problem besonders im frühen Frühling oder Spätherbst zu beobachten.
Nach etwa sechs Wochen ohne Begattung beginnt die junge Königin dennoch mit der Eiablage. Da keine Befruchtung stattgefunden hat und keine Samenzellen in ihrer Samenblase vorhanden sind, kann sie nur unbefruchtete Eier legen. Aus diesen entwickeln sich ausschließlich männliche Bienen (Drohnen).
Interessanterweise erzeugt eine fehlbrütige Königin zunächst ein recht gleichmäßiges Brutnest, das in den ersten Tagen kaum von normalen Brutwaben zu unterscheiden ist. Erst nach der Verdeckelung wird das Problem durch die hervorstehenden Drohnenzellen sichtbar.
Die Behandlung erfolgt ähnlich wie bei der Buckelbrut. Der Imker muss die unbegattete Königin entfernen und durch eine begattete ersetzen. Da das Volk bereits ohne funktionierende Königin ist, kann oft auf die Zugabe einer Brutwabe verzichtet werden. Nach etwa zwei Stunden Weisellosigkeit kann die neue Königin über einen Ausfresskäfig eingeführt werden. Eine schnelle Reaktion sichert die Zukunft des Honigbienen-Volkes.
Echte Drohnenbrütigkeit – Wenn Arbeiterinnen zu Afterweiseln werden
Die echte Drohnenbrütigkeit mit Afterweiseln ist die komplexeste Form des Problems. Sie tritt auf, wenn ein Bienenvolk seine Königin verliert und keine junge Brut mehr vorhanden ist, um eine neue Königin nachzuziehen. In dieser Notlage entwickeln sich bei einigen Arbeiterinnen die Eierstöcke, und sie beginnen unbefruchtete Eier zu legen. Diese eierlegenden Arbeiterinnen werden als Afterweiseln bezeichnet.
Im Gegensatz zu einer gesunden Königin in der Imkerei legen Afterweiseln ihre Eier unregelmäßig ab. Häufig finden sich mehrere Eier in einer Zelle, und diese sind oft an den Zellwänden statt am Zellboden platziert. Das Brutnest erscheint lückenhaft und uneinheitlich. Die Verdeckelung zeigt später das typische buckelartige Muster der Drohnenbrut.
Das besondere Problem bei dieser Form der Drohnenbrütigkeit: Die Afterweiseln sind äußerlich nicht von normalen Arbeiterinnen zu unterscheiden und können daher nicht einfach entfernt werden. Die einzige effektive Behandlungsmethode ist die Bildung eines Feglings. Dabei werden alle Bienen von den Waben abgefegt und in einen neuen Kasten ohne Waben gesetzt. Die Afterweiseln können nicht fliegen und verbleiben auf dem Boden vor dem neuen Kasten, während die normalen Arbeiterinnen einfliegen.
Dem neuen Volk sollte unmittelbar eine begattete Königin zugesetzt werden, um die Bienenzucht fortzusetzen und das Volk zu retten.
Drohnenbrütigkeit vorbeugen – Strategien für gesunde Honigbienen
Prävention ist in der Imkerei der Schlüssel zur Vermeidung von drohnenbrütigen Völkern. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die regelmäßige Erneuerung der Königin nach spätestens zwei Jahren. Junge Königinnen legen zuverlässiger befruchtete Eier und sorgen für vitale Bienenvölker.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der sorgfältige Umgang mit den Bienen bei der Durchsicht der Völker. Achten Sie darauf, die Königin nicht versehentlich zu verletzen oder zu töten. Die Verwendung eines Königinnen-Absperrgitters kann helfen, die Königin auf bestimmten Waben zu halten und ihre Auffindbarkeit zu verbessern.
Regelmäßige Kontrollen im Frühjahr und Herbst sind entscheidend. Überprüfen Sie das Brutmuster und achten Sie auf Anzeichen von Unregelmäßigkeiten. Ein gesundes Brutnest zeigt ein gleichmäßiges Muster mit wenigen Lücken. Bei der Bienenzucht ist diese kontinuierliche Überwachung unverzichtbar.
Stellen Sie außerdem sicher, dass Ihre Jungköniginnen gute Begattungsbedingungen vorfinden. Planen Sie die Königinnenzucht für Zeiten mit günstiger Witterung, um erfolgreiche Begattungsflüge zu ermöglichen. Eine starke, gesunde Honigbienenpopulation mit einer produktiven Königin ist der beste Schutz gegen alle Formen der Drohnenbrütigkeit.
Zudem sollten Sie immer einige befruchtete Reserveköniginnen bereithalten, um im Notfall schnell reagieren zu können.
Fazit: Die Bedeutung der Früherkennung bei drohnenbrütigen Völkern
Die rechtzeitige Erkennung und Behandlung drohnenbrütiger Völker ist für jeden Imker von entscheidender Bedeutung. Ob Buckelbrut, Fehlbrut oder echte Drohnenbrütigkeit – in allen Fällen ist schnelles Handeln gefragt. Nach spätestens sechs Wochen droht der Totalverlust des Volkes, da keine neuen Arbeiterinnen mehr geboren werden.
Die verschiedenen Formen der Drohnenbrütigkeit erfordern unterschiedliche Behandlungsansätze, doch alle haben eines gemeinsam: Die alte oder unbegattete Königin muss durch eine junge, begattete Königin ersetzt werden. Bei echter Drohnenbrütigkeit mit Afterweiseln ist zudem die Bildung eines Feglings notwendig.
Präventive Maßnahmen wie die regelmäßige Erneuerung der Königinnen, sorgfältige Durchsichten und die Bereitstellung von Reserveköniginnen können das Risiko erheblich reduzieren. So schützen Sie Ihre Honigbienen und sichern den langfristigen Erfolg Ihrer Bienenzucht.
Letztendlich zeigt das Phänomen der Drohnenbrütigkeit, wie komplex und faszinierend die Welt der Bienen ist. Mit dem richtigen Wissen und den passenden Techniken können Imker diese Herausforderung meistern und gesunde, produktive Bienenvölker erhalten – zum Wohle der Imkerei und unserer Umwelt.
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