Der Saugling ist eine Methode in der modernen Imkerei, die zur proaktiven Schwarmvorbeugung bei Honigbienen eingesetzt wird. Dabei werden starke Wirtschaftsvölker durch das gezielte Entnehmen von Bienenmasse und Brutwaben geschröpft. Diese Technik nutzt das natürliche Verhalten junger Ammenbienen, die zur Pflege der offenen Brut aus dem Brutraum nach oben wandern. Dadurch entsteht ein neues, junges Bienenvolk, das vielseitig eingesetzt werden kann. Die Bienenzucht profitiert von dieser Methode nicht nur zur Schwarmverhinderung, sondern auch zur kontrollierten Volksvermehrung und Stärkung schwacher Völker. Zudem bietet der Saugling ideale Bedingungen für eine effektive Varroabehandlung. Dieser Artikel erklärt detailliert, wie Imker den Saugling korrekt durchführen und welche Vorteile diese Technik in der Honigbienen Zucht bietet.

Inhaltsverzeichnis
Die Durchführung des Saugling-Verfahrens bei der Bienenzucht
Der Saugling wird bei starken Wirtschaftsvölkern angewendet, indem eine zusätzliche Zarge über dem Brutraum und einem Absperrgitter platziert wird. In diese Zarge kommen 2-4 offene Brutwaben, 2 Futterwaben und 2 Rähmchen mit Mittelwand. Die restlichen Plätze werden mit Leerwaben aufgefüllt. Es ist wichtig, dass alle Waben vor dem Umhängen gründlich abgefegt werden, um sicherzustellen, dass keine Königin versehentlich in den Honigraum gelangt.
Die offene Brut in der oberen Zarge wirkt wie ein Magnet für junge Ammenbienen, die aus dem Brutraum nach oben wandern, um die Brut zu pflegen. Daher stammt auch der Begriff „Saugling“ – die Brut „saugt“ die jungen Bienen an. Die Brutwaben müssen nicht zwingend aus demselben Volk stammen, sondern können auch von verschiedenen Völkern zusammengestellt werden. Allerdings sollten sie immer in der Mitte der Zarge positioniert werden, damit die Bienenbrut optimal gewärmt werden kann.
Bereits nach 2-3 Stunden haben sich genügend Jungbienen auf den Brutwaben angesammelt, und die Zarge kann entnommen werden. Nach der Entnahme wird die Zarge mit Boden und Deckel versehen und auf einen entfernten Bienenstand gebracht. In den ersten Stunden sollte das Flugloch vollständig verschlossen und später nur eingeengt geöffnet werden, um Räuberei zu verhindern.
Die Königinnenzugabe beim Saugling in der Imkerei
Ein entscheidender Schritt bei der Erstellung eines Sauglings ist die Zugabe einer Königin. Bereits 6-12 Stunden nach der Erstellung des Sauglings kann eine junge, begattete Königin über die Ausfressmethode im Zusetzkäfig zugegeben werden. Die vielen vorhandenen Jungbienen nehmen die neue Königin in der Regel schnell an, sodass diese innerhalb weniger Stunden mit der Eiablage beginnen kann.
Vor dem Zusetzen der Königin sollte jedoch unbedingt kontrolliert werden, ob bereits Schwarmzellen angesetzt wurden. Diese müssen zwingend ausgebrochen werden, um ein ungewolltes Abschwärmen der Bienen zu verhindern. Dies ist besonders wichtig, da der Saugling anfänglich noch nicht über eine ausgewogene Altersstruktur verfügt und daher anfälliger für Schwarmimpulse sein kann.
Die erfolgreiche Integration der Königin ist fundamental für die weitere Entwicklung des neuen Volkes. Durch die schnelle Aufnahme der Eiablage wird die kontinuierliche Erneuerung des Bienenvolkes sichergestellt. Dies ist ein wesentlicher Vorteil der Saugling-Methode in der modernen Honigbienen Zucht, da sie eine kontrollierte und effiziente Volksentwicklung ermöglicht.
Varroabehandlung des Saugling bei der Bienenzucht
Der Zeitpunkt unmittelbar nach der Erstellung eines Sauglings bietet eine optimale Gelegenheit zur Bekämpfung der Varroamilbe. Da sich im frisch gebildeten Saugling ausschließlich offene Brut befindet und noch keine verdeckelte Brut vorhanden ist, kann eine Behandlung besonders wirksam durchgeführt werden. Insbesondere Ameisensäure oder Milchsäure erzielen in diesem Stadium hervorragende Behandlungsergebnisse.
Bei einer fachgerechten Anwendung kann ein Abfall der Milben von beeindruckenden 90-95 Prozent erreicht werden. Da der Saugling sich in der laufenden Bienensaison meist nicht mehr so stark entwickelt, dass von ihm Honig geerntet werden kann, besteht die Möglichkeit, über die restliche Saison eine kontinuierliche Varroabehandlung durchzuführen.
Diese integrierte Varroabekämpfung ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Imkerei, da sie hilft, den Befall mit der gefährlichen Varroamilbe im gesamten Bienenstand zu reduzieren. Durch die regelmäßige Erstellung von Sauglingen können Imker somit nicht nur ihre Völker vermehren und den Schwarmtrieb kontrollieren, sondern auch aktiv zur Gesunderhaltung ihrer Honigbienen beitragen.
Vorteile des Saugling in der Imkerei
Der Saugling bietet zahlreiche Vorteile für die moderne Bienenzucht. Einer der größten Pluspunkte ist, dass bei der Erstellung des Sauglings die Königin des Wirtschaftsvolkes nicht gesucht werden muss. Da die Bildung über dem Absperrgitter erfolgt und die Bienen natürlich nach oben wandern, bleibt die Königin automatisch im unteren Brutraum.
Besonders effektiv ist der Saugling zur Schwarmverhinderung, vor allem zu Beginn der Schwarmsaison. Allerdings handelt es sich um eine präventive Maßnahme und nicht um eine Akutbehandlung bei bereits ausgeprägtem Schwarmtrieb und vorhandenen Schwarmzellen. In solchen Fällen sind andere Maßnahmen notwendig.
Für die optimale Entwicklung des neuen Volkes sollte in den ersten Wochen unbedingt mit Zuckerteig oder Flüssigfutter zugefüttert werden. Der Grund dafür ist, dass das junge Volk noch nicht über ausreichend Flugbienen verfügt, um genügend Nektar zu sammeln. Außerdem sind die vorhandenen Bienen stark mit der Pflege der jungen Brut beschäftigt.
Bei guter Pflege und Betreuung kann der Saugling bereits zur Einfütterung im Spätsommer die Stärke eines vollwertigen Wirtschaftsvolkes erreichen. Dies macht ihn zu einer wertvollen Methode für Imker, die ihre Bienenvölker gezielt vermehren und gleichzeitig den Schwarmtrieb kontrollieren möchten.
Saugling zur Stärkung schwacher Bienenvölker
Neben der Schwarmverhinderung und Volksvermehrung eignet sich der Saugling hervorragend zur Stärkung schwacher Bienenvölker. Diese innovative Anwendung in der Imkerei nutzt die jungen, vitalen Bienen und die zusätzliche Brut, um geschwächte Völker zu revitalisieren.
Die über dem Absperrgitter abgenommene Zarge mit den Jungbienen und der offenen Brut wird dabei mittels der Papiermethode direkt auf das schwache Volk gesetzt. Zuvor werden in ein Zeitungspapier mit einem Kugelschreiber kleine Löcher gestochen. Durch diese können sich die Bienen beschnuppern und allmählich den Geruch des jeweils anderen Volkes aufnehmen.
Die Stockbienen werden nach und nach das Zeitungspapier zerfressen, wodurch die Zargen langsam und ohne Aggressionen vereinigt werden. Diese schonende Methode verhindert Kämpfe zwischen den Bienen unterschiedlicher Völker und ermöglicht eine harmonische Integration. Durch die Zugabe von jungen, vitalen Bienen und zusätzlicher Brut erhält das schwache Volk einen bedeutenden Entwicklungsschub.
Diese Anwendung des Sauglings zeigt die Vielseitigkeit dieser Technik in der Honigbienen Zucht. Sie ermöglicht es Imkern, flexibel auf unterschiedliche Herausforderungen zu reagieren und gezielt in die Entwicklung ihrer Völker einzugreifen, ohne dabei die natürlichen Prozesse im Bienenvolk zu stark zu stören.
Fazit: Der Saugling als wertvolle Methode in der modernen Imkerei
Der Saugling erweist sich als außerordentlich wertvolle Methode in der modernen Imkerei. Diese Technik verbindet mehrere wichtige Aspekte der Bienenzucht: die effektive Schwarmprävention, die kontrollierte Volksvermehrung, die Stärkung schwacher Völker sowie die integrierte Varroabekämpfung.
Besonders hervorzuheben ist die Einfachheit der Methode, da keine aufwendige Königinnensuche erforderlich ist. Zudem nutzt der Saugling das natürliche Verhalten der Honigbienen, was zu geringerem Stress für die Tiere führt und den Eingriff des Imkers in die natürliche Ordnung minimiert.
Für erfolgreiche Imker ist der Saugling daher ein unverzichtbares Werkzeug im jährlichen Betriebsablauf. Die Methode ermöglicht eine nachhaltige Bienenhaltung mit gesunden, vitalen Völkern und trägt somit wesentlich zum Erhalt der Honigbiene als wichtigem Bestäuber bei.
Wer die Technik des Sauglings beherrscht, kann flexibel auf verschiedene Herausforderungen im Bienenjahr reagieren und seine Bienenvölker gezielt fördern. Daher lohnt es sich für jeden Imker, diese Methode in sein Repertoire aufzunehmen und von den zahlreichen Vorteilen zu profitieren, die der Saugling für die moderne Bienenzucht bietet.
Weitere Artikel zum Thema Bienenzucht:
- Brutableger richtig anlegen | Tipps zur Bienenzucht
- Fegling: Der Komplettguide für erfolgreiche Imkerei
- Der Bienenschwarm – Natürliches Phänomen der Honigbiene
- Kunstschwarm bilden | Tipps für erfolgreiche Bienenzucht
- Königinnenzucht: Der Schlüssel zur erfolgreichen Imkerei
- Bienenzucht mit Treibling: Vorteile für Imkerei & Honigbienen
- Zwischenbodenableger: Schwarmverhinderung in der Imkerei
- Völkersanierung: Rettung schwacher Bienenvölker
- Optimale Ablegerbildung zur Stärkung Ihrer Bienenzucht
- Kleinstableger anlegen & pflegen | Tipps für die Bienenzucht
Passende Inhalte zum Weiterlesen:
Das könnte auch Interessant sein:

Königinnenzucht: Der Schlüssel zur erfolgreichen Imkerei
14. Mai 2025
Die Königinnenzucht stellt einen zentralen Bestandteil der modernen Imkerei dar. Sie umfasst weit mehr als die bloße Vermehrung von Bienenköniginnen und beinhaltet gezielte Selektionsverfahren zur Verbesserung der Honigbienen-Populationen. Durch fachgerechte Königinnenzucht können Imker Eigenschaften wie Sanftmut, Honigertrag, Wabensitz und verminderten Schwarmtrieb gezielt fördern. Der regelmäßige Austausch alter Königinnen durch junge, selektierte Nachzuchten sorgt für vitale,

Optimale Ablegerbildung zur Stärkung Ihrer Bienenzucht
13. Mai 2025
Die Ablegerbildung stellt eine zentrale Aufgabe in der modernen Imkerei dar und bietet zahlreiche Vorteile für den Bienenstand. Durch die gezielte Erstellung von Ablegern können Imker ihren Stand verjüngen, Reserven für Winterverluste bilden und die Anzahl ihrer Bienenvölker erhöhen. Der Prozess beginnt mit der Haupttracht und reicht von Anfang Mai bis Mitte Juli. Obwohl Ableger

Bienenzucht mit Treibling: Vorteile für Imkerei & Honigbienen
13. Mai 2025
Der Treibling stellt eine praktische Methode in der Imkerei dar, um neue Bienenvölker zu bilden. Diese Technik ermöglicht es Imkern, aus bestehenden Wirtschaftsvölkern schnell neue Honigbienen-Kolonien zu schaffen, indem man gezielt junge Bienen abschöpft und in eine neue Behausung überführt. Im Gegensatz zu anderen Vermehrungsmethoden bietet der Treibling mehrere Vorteile wie die rasche Volksentwicklung und

Honigbiene im Steckbrief: Von der Königin bis zum Honig
9. Mai 2025
Die Honigbiene zählt zu den faszinierendsten Insekten unserer Natur. Als staatenbildendes Insekt aus der Familie der Echten Bienen lebt sie in komplexen sozialen Verbänden mit klarer Arbeitsteilung. Ein Bienenvolk besteht aus einer Bienenkönigin, tausenden Arbeiterinnen und saisonal auftretenden Drohnen. Die Honigbienen sind nicht nur für die Produktion von Honig und anderen wertvollen Bienenprodukten bekannt, sondern
Deine Meinung ist gefragt!
Hast Du Anmerkungen, Fragen oder findest, dass ein wichtiger Punkt im Artikel noch fehlt? Dann schreib uns gerne einen Kommentar! Wir freuen uns über dein Feedback und prüfen gern, ob wir deine Hinweise in den Beitrag aufnehmen können.