Die Räuberei stellt eine ernste Bedrohung für Bienenvölker dar, besonders in trachtarmen Zeiten nach Juli. Hierbei überfallen starke Honigbienen schwächere Völker, um deren Nahrungsvorräte zu stehlen. Dieses natürliche, aber zerstörerische Verhalten kann ganze Bienenstöcke vernichten, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Im folgenden Artikel erfahren Sie, wie Sie Räuberei erkennen, vorbeugen und bekämpfen können. Zudem erklären wir die Ursachen und Auswirkungen dieses Phänomens in der Imkerei. Mit dem richtigen Wissen können Sie Ihre Bienenvölker effektiv schützen und gesund durch die kritischen Phasen des Jahres bringen.

Inhaltsverzeichnis
Warum kommt es zur Räuberei in der Bienenhaltung?
Räuberei tritt hauptsächlich in trachtärmeren Zeiträumen nach der Haupttracht ab Juli auf. Die Honigbienen suchen dann alternative Nahrungsquellen, da das natürliche Nektarangebot abnimmt. Dabei werden besonders schwache Völker zur Zielscheibe, weil diese sich nicht ausreichend verteidigen können. Schon geringe Mengen verschüttetes Futter können eine Räuberei auslösen. Innerhalb weniger Minuten verbreitet sich die Nachricht über die Futterquelle, sodass ein Bienenvolk schnell von fremden Bienen umschwärmt wird.
Auch offenstehende Honigwaben, die am Ende einer Tracht entnommen werden, können einen Raubzug auslösen. Die Fluglochwache aus Arbeitsbienen sollte eigentlich das Volk vor Eindringlingen schützen. Doch bei schwachen Völkern mit großem Flugloch reichen die Verteidigungskräfte oft nicht aus. Das Volk wird dann von zahlreichen ankommenden Bienen überrannt und ausgeplündert.

Räuberei kann bei bei plötzlich, starkem Flugflugbetrieb in trachtarmen Zeiten erkannt werden.
Räuberei | Quelle: Maja Dumat – Creative Commons Licence BY 2.0 – ohne Änderungen – flickr.com
Wie erkennt man die Anzeichen einer Räuberei bei Bienen?
Eine aktive Räuberei lässt sich an verschiedenen Merkmalen erkennen. Zunächst fällt eine erhöhte Flugaktivität am Flugloch auf, wobei die anfliegenden Bienen oft aggressiver wirken und zielstrebig ins Innere des Beutekastens eindringen. An der Beute sind häufig kämpfende Bienen zu beobachten, während tote Bienen vor dem Flugloch liegen.
Die räubernden Honigbienen fliegen meist unstet und prüfend um das Flugloch. Sie versuchen, an verschiedenen Stellen in den Stock einzudringen. Im Gegensatz dazu fliegen Sammelbienen direkt und zielgerichtet. Bei fortgeschrittener Räuberei können Sie ein deutliches Summen und Brausen am betroffenen Bienenstock wahrnehmen. Die Imkerei kennt dieses alarmierende Geräusch als typisches Zeichen für einen Raubangriff.
Präventive Maßnahmen gegen Räuberei in der Imkerei
Zur Vorbeugung von Räuberei sollten im Spätsommer und Herbst alle Fluglöcher stark verengt werden, besonders wenn keine steigende Tracht zu erwarten ist. So müssen die Wächterbienen nur einen kleinen Bereich verteidigen. Das gleichzeitige Einfüttern aller Völker stellt eine wirksame Gegenmaßnahme dar. Werden alle Völker mit Zuckerwasser versorgt, beschäftigen sie sich mit der Einlagerung und verfallen nicht in räuberische Stimmung.
Nach dem Abschleudern der letzten Tracht sollten Sie stets einige Futterwaben im Volk belassen. Dies verhindert, dass die Bienen aus Futternot andere Völker überfallen. Auch bei der Arbeit am Bienenvolk achten Sie auf Sauberkeit und verschütten kein Futter. Entnommene Waben müssen Sie abdecken und schnell aus dem Umkreis der Bienen entfernen. Der Imker selbst sollte seine Hände regelmäßig von Honig säubern.
Schwächere Ableger können etwas abseits des Hauptstandes platziert werden. Es hat sich bewährt, bei schwächeren Völkern frühzeitig das Flugloch einzuengen und mit belaubten Ästen zu verdecken, um das direkte Anfliegen von Kundschafterinnen zu verhindern. Vorbeugende Maßnahmen in der Imkerei zeigen mehr Erfolg als spontane Eingriffe bei bereits begonnener Räuberei.
Effektive Maßnahmen bei akuter Räuberei der Honigbienen
Ist eine Räuberei bereits ausgebrochen, wird das betroffene Bienenvolk solange angegriffen, bis alle Vorräte aufgebraucht sind. Selbst einbrechende Dunkelheit hält die räubernden Bienen nicht davon ab, am nächsten Tag wiederzukehren. In dieser Situation hilft nur, das schwache Volk an einen anderen Bienenstand zu bringen und das Flugloch noch weiter zu verengen.
Es ist nicht ratsam, das ausgeraubte Volk nur innerhalb des Standes zu verrücken. Die Räuberbienen können sich schnell auf einen leicht veränderten Standort einfliegen. Stattdessen sollten Sie an die ursprüngliche Stelle eine leere Bienenbeute stellen. So fliegen die Räuber in einen leeren Kasten und gehen davon aus, dass alle Vorräte erschöpft sind. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Räuberbienen benachbarte Völker angreifen und die Räuberei sich ausbreitet.
Zusätzlich können Sie das betroffene Volk mit einem feuchten Tuch oder Gras am Flugloch ausstatten. Dies verwirrt die Räuber und gibt den Wächterbienen einen Vorteil. In der Imkerei gilt: Je schneller Sie bei akuter Räuberei eingreifen, desto größer die Chance, das angegriffene Volk zu retten.
Auswirkungen der Räuberei auf Bienenvölker und die Imkerei
Die Folgen einer Räuberei sind für betroffene Völker verheerend. Die räubernden Bienen zerstören das angegriffene Volk, töten oft die Königin und entwenden sämtlichen Honig. Nach einem Angriff sind die Völker stark dezimiert und nicht mehr in der Lage, ihre eigene Brut oder sich selbst zu versorgen. Daher ist ein schnelles Eingreifen des Imkers während der Räuberei unbedingt notwendig.
Die geschwächten Völker haben meist nicht mehr genug Bienenmaße und Nahrung, um rechtzeitig eingewintert zu werden. In vielen Fällen müssen sie aufgelöst oder mit anderen Völkern vereinigt werden. Dies bedeutet für die Imkerei einen empfindlichen Verlust. Zudem kann sich räuberisches Verhalten in der Bienenpopulation ausbreiten, wenn es nicht eingedämmt wird.
Für die überlebenden Honigbienen des beraubten Volkes bedeutet dies extremen Stress. Sie sind anfälliger für Krankheiten und Parasiten, was weitere Probleme für den Imker nach sich ziehen kann. Die wirtschaftlichen Einbußen durch verlorene Völker und reduzierte Honigernte können erheblich sein.
Fazit: Räuberei in der Imkerei erfolgreich verhindern
Die Räuberei stellt eine ernstzunehmende Herausforderung in der Imkerei dar, die durch vorausschauendes Handeln kontrolliert werden kann. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Prävention: Verengen Sie Fluglöcher, füttern Sie Ihre Völker gleichzeitig ein und achten Sie auf Sauberkeit bei der Arbeit am Bienenstand. Besonders wichtig ist die besondere Fürsorge für schwächere Völker.
Sollte dennoch eine Räuberei ausbrechen, ist schnelles und entschlossenes Handeln gefragt. Das angegriffene Volk muss an einen anderen Stand verbracht und sein Flugloch stark verengt werden. An der alten Stelle platzieren Sie am besten eine leere Beute, um die Räuberbienen in die Irre zu führen.
Die Honigbiene folgt bei der Räuberei ihrem natürlichen Instinkt zur Nahrungssuche in nahrungsarmen Zeiten. Als verantwortungsvoller Imker können Sie jedoch durch geeignete Maßnahmen Ihre Bienen schützen und gesund durch kritische Phasen bringen. Mit Wachsamkeit, Voraussicht und dem richtigen Wissen meistern Sie diese Herausforderung erfolgreich.
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