Die Arbeitsbiene ist das Rückgrat jedes Bienenvolks und übernimmt zahlreiche lebenswichtige Aufgaben innerhalb und außerhalb des Bienenstocks. Als weibliche, nicht fortpflanzungsfähige Biene hat sie eine kurze, aber äußerst produktive Lebensspanne. Im Sommer leben zwischen 40.000 und 70.000 Arbeitsbienen in einem Stock, während ihre Zahl im Winter auf 5.000 bis 15.000 sinkt. Diese fleißigen Insekten durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien und erfüllen je nach Alter unterschiedliche Funktionen. Ihre Anatomie ist perfekt an ihre vielfältigen Aufgaben angepasst, und durch ihre kollektive Intelligenz sichern sie das Überleben des gesamten Bienenvolks.

Inhaltsverzeichnis
Was ist eine Arbeitsbiene? Grundlegende Fakten zur Honigbiene
Die Arbeitsbiene bildet neben der Königin und dem Drohn die dritte wichtige Komponente eines Bienenvolks. Diese Bienen sind weibliche Individuen, deren Eierstöcke durch die Pheromone der Königin nicht vollständig entwickelt sind. Daher können sie sich nicht fortpflanzen. Abhängig von der Bienenrasse erreichen Arbeitsbienen eine Länge von lediglich 12 bis 15 Millimetern und ein Gewicht zwischen 90 und 140 Milligramm.
Die Lebensdauer einer Arbeitsbiene variiert erheblich je nach Jahreszeit. Sommerbienen leben durchschnittlich nur sechs Wochen, während Winterbienen eine Lebensspanne von sechs bis acht Monaten erreichen können. Dies hängt vor allem mit der reduzierten Arbeitstätigkeit im Winter zusammen. Grundsätzlich gilt: Je später im Jahr eine Biene schlüpft, desto länger wird sie leben, da weniger Arbeit anfällt.
In der modernen Imkerei ist das Verständnis dieser grundlegenden Eigenschaften der Arbeitsbiene essenziell für eine erfolgreiche Bienenhaltung und Honigproduktion.

Als Flugbiene sammelt die Arbeitsbiene Pollen und Nektar zur Ernährung der Stockbienen und Bienenbrut. Nach 21 Tagen versterben die Bienen außerhalb der Bienenbeute.
Arbeitsbiene | Quelle: Jon Sullivan / PD Photo.org
Der Lebenszyklus der Arbeitsbiene: Von der Eiablage bis zur ausgewachsenen Biene
Der Lebenszyklus einer Arbeitsbiene beginnt mit der Eiablage durch die Königin und umfasst zunächst einen 21-tägigen Entwicklungszyklus. Anders als bei der Königinnenlarve wächst die Larve der Arbeitsbiene in einer kleineren Zelle auf. Zudem erhält sie ab dem dritten Tag nach der Eiablage nicht mehr das nährstoffreiche Gelée Royale, sondern wird von den Ammenbienen mit einer Mischung aus Honig und Pollen gefüttert.
Nach der Entwicklungsphase schlüpft die junge Arbeitsbiene, indem sie mit ihren Mundwerkzeugen den Wachsdeckel ihrer Zelle öffnet. Häufig unterstützen bereits geschlüpfte Bienen diesen Prozess. Mit dem Schlüpfen beginnt der aktive Dienst der Arbeitsbiene im Stock, der weiteren 21 Tage dauert, bevor sie zur Sammelbiene wird.
Für die Imkerei ist dieses Wissen über den Entwicklungszyklus von großer Bedeutung, da es hilft, den Zustand des Bienenvolks richtig einzuschätzen und die Volksentwicklung zu prognostizieren.
Die vielfältigen Aufgaben der Arbeitsbiene im Bienenvolk
Die Arbeitsbiene durchläuft während ihres Lebens verschiedene Tätigkeitsbereiche, die sich mit ihrem Alter verändern. In den ersten beiden Tagen nach dem Schlüpfen widmet sich die junge Biene hauptsächlich der Reinigung der Wabenzellen und dem Wärmen der Brut.
Anschließend übernimmt sie die Rolle der Amme. Zunächst versorgt sie die älteren Maden, später kümmert sie sich auch um Jungmaden und frisch abgelegte Eier. Ab dem sechsten Lebenstag ist die Arbeitsbiene zudem für die Lagerung und Wasserreduktion des Honigs, das Einstampfen des Pollens in die Wabenzellen sowie für die allgemeine Sauberkeit im Bienenstock verantwortlich.
Mit dem zwölften Lebenstag verlagert sich ihr Aufgabenbereich. Nun fungiert sie als Baubiene und kümmert sich um den Bau und die Reparatur von Waben. Gleichzeitig bereitet sie sich auf ihre künftige Rolle als Flugbiene vor, indem sie Orientierungsflüge unternimmt. Die letzten zwei Tage im Innendienst verbringt die Arbeitsbiene als Wächterin am Flugloch, wo sie den Stock vor Eindringlingen schützt. Zu diesem Zeitpunkt ist ihre Giftblase vollständig gefüllt.
In der finalen Phase ihres Lebens wird die Arbeitsbiene zur Sammlerin und verbringt etwa drei Wochen damit, Nektar, Pollen und Honigtau zu sammeln. Täglich besucht sie bis zu 400 Blüten und trägt so wesentlich zur Versorgung des Bienenvolks bei.
Diese altersspezifische Arbeitsteilung ist ein faszinierendes Merkmal der Honigbiene und ein wichtiger Aspekt, den Imker bei ihrer Arbeit berücksichtigen.
Die spezialisierte Anatomie der Arbeitsbiene
Die Arbeitsbiene verfügt über eine bemerkenswerte anatomische Ausstattung, die perfekt an ihre vielfältigen Aufgaben angepasst ist. Zu den wichtigsten Besonderheiten zählen die Wachsdrüsen, mit denen sie Wachsplättchen zum Wabenbau produziert. Die Giftblase und der Stachel dienen der Verteidigung des Bienenvolks gegen Feinde.
Für das Sammeln und den Transport von Nektar besitzt die Arbeitsbiene eine Honigblase, die als temporärer Speicher dient. Ihre spezialisierten Mundwerkzeuge ermöglichen es ihr, verschiedene Materialien zu bearbeiten und unterschiedliche Nahrungsquellen zu nutzen.
Diese anatomischen Merkmale machen die Arbeitsbiene zu einem hochspezialisierten Insekt innerhalb der Imkerei. Jede einzelne Biene ist perfekt ausgestattet für die Aufgaben, die sie im Laufe ihres Lebens erfüllen muss.
Kollektive Intelligenz: Die Arbeitsbiene als Teil des Ganzen
Trotz ihrer beeindruckenden individuellen Fähigkeiten ist die einzelne Arbeitsbiene nicht allein überlebensfähig. Sie ist auf das Kollektiv des Bienenvolks angewiesen. Das Volk verfügt über eine ausgeprägte Schwarmintelligenz, durch die Aufgaben optimal auf die einzelnen Individuen verteilt werden.
Verirrt sich eine Arbeitsbiene und findet nicht zu ihrem Heimatstock zurück, wird sie versuchen, in einem anderen Volk Aufnahme zu finden. Gelingt dies nicht, erfriert sie in der Regel während der Nacht.
Diese kollektive Lebensweise ist ein faszinierender Aspekt der Honigbiene und macht sie zu einem besonderen Studienobjekt in der Biologie. Für die Imkerei bedeutet dies, dass stets das Wohlbefinden des gesamten Volkes im Mittelpunkt stehen muss, nicht das einzelner Bienen.
Fazit: Die Arbeitsbiene – unersetzlich für Bienenvolk und Imkerei
Die Arbeitsbiene erfüllt als fleißiges Mitglied des Bienenvolks zahlreiche lebenswichtige Funktionen. Von der Brutpflege über den Wabenbau bis hin zum Sammeln von Nektar und Pollen – ohne die Arbeitsbienen wäre das Überleben des Volkes unmöglich. Ihre kurze, aber produktive Lebensspanne ist geprägt von einem strikt organisierten Arbeitsablauf, der sich mit zunehmendem Alter verändert.
Für die Imkerei sind diese fleißigen Insekten von unschätzbarem Wert. Sie produzieren nicht nur Honig und andere Bienenprodukte, sondern leisten durch die Bestäubung von Pflanzen einen wesentlichen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht. Das Verständnis der Biologie und des Verhaltens der Arbeitsbiene ist daher für jeden Imker unerlässlich. Die Honigbiene als Ganzes, mit der Arbeitsbiene als tragende Säule, bleibt eines der faszinierendsten Geschöpfe der Natur und verdient unseren Schutz und unsere Bewunderung.
Weitere Artikel zum Thema Bienenwesen:
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- Bienenkönigin & Imkerei: Alles zur Königin der Honigbienen
- Honigblase der Biene: Funktion & Bedeutung in der Imkerei
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