Die Ablegerbildung stellt eine zentrale Aufgabe in der modernen Imkerei dar und bietet zahlreiche Vorteile für den Bienenstand. Durch die gezielte Erstellung von Ablegern können Imker ihren Stand verjüngen, Reserven für Winterverluste bilden und die Anzahl ihrer Bienenvölker erhöhen. Der Prozess beginnt mit der Haupttracht und reicht von Anfang Mai bis Mitte Juli. Obwohl Ableger im ersten Jahr keine Honigernte liefern, entwickeln sie sich zu vollwertigen Wirtschaftsvölkern im Folgejahr. Dieser Artikel erklärt die wesentlichen Schritte der Ablegerbildung, von der Vorbereitung bis zur Nachsorge, und gibt praktische Tipps für eine erfolgreiche Bienenzucht.

Inhaltsverzeichnis
Die Bedeutung der Ablegerbildung in der Imkerei
Die Ablegerbildung gehört zu den zentralen und regelmäßigen Aufgaben eines jeden Imkers während der Bienensaison. Sie dient primär der Verjüngung des Bienenstandes und schafft wichtige Reserven für mögliche Winterverluste. Zudem nutzen viele Imker die Ablegerbildung, um ihren Bestand an Honigbienen gezielt zu vergrößern.
Der Prozess funktioniert, indem Imker während des Frühjahrs ihre Wirtschaftsvölker mehrmals leicht schröpfen, um daraus neue Bienenvölker zu bilden. Die neuen Völker benötigen ihre gesamte Energie für den Aufbau eines ausreichend großen Brutnestes und die Entwicklung genügender Winterbienen für die trachtlose Jahreszeit. Daher sollten Imker im ersten Jahr keine Honigernte von diesen Ablegern erwarten.
Die strategische Ablegerbildung stellt einen essenziellen Bestandteil der Bienenzucht dar und trägt maßgeblich zur Gesunderhaltung und Weiterentwicklung des Bienenstandes bei. Mit etwas Erfahrung und dem richtigen Timing entwickeln sich diese Ableger zu leistungsfähigen Wirtschaftsvölkern für das kommende Jahr.

Die Ablegerbildung kann sofern kein separater Bienenstand vorhanden ist, auch am Hauptstand erfolgen. In diesem Fall sollten aber Bienen von mind. 2 Waben zusätzlich eingefegt werden.
Ablegerbildung | Quelle: Maja Dumat – Creative Commons Licence BY 2.0 – ohne Änderungen – flickr.com
Der optimale Zeitpunkt für die Ablegerbildung bei Honigbienen
Die Arbeiten zur Ablegerbildung beginnen idealerweise mit der ersten aufkommenden Haupttracht und der daraus resultierenden ansteigenden Schwarmstimmung. Dieser Zeitraum erstreckt sich von Anfang Mai bis Mitte Juli und bietet optimale Bedingungen, da die Wirtschaftsvölker in dieser Phase bedenkenlos mehrmals geschröpft werden können, ohne ihre Leistungsfähigkeit wesentlich zu beeinträchtigen.
Je früher Imker mit der Ablegerbildung starten, desto weniger Bienenmasse und Brut müssen sie aus den bestehenden Völkern entnehmen. Allerdings sollten die frühesten Ableger nicht vor Ende April erstellt werden, damit die Witterungsbedingungen günstig sind und ausreichend Tracht zur Verfügung steht.
Die meist jungen Königinnen der Ableger bauen ihr Volk langsam und angepasst an die vorhandene Bienenmasse auf. Während die Wirtschaftsvölker bereits Anfang Juli ihre Brutaktivitäten allmählich reduzieren, legen diese jungen Königinnen bis August stetig an Bienen und Brut zu. Dies unterstützt die optimale Entwicklung des Ablegers zu einem starken Bienenvolk für die kommende Saison.
Methoden der Ablegerbildung in der Bienenzucht
Bei der Ablegerbildung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die sich je nach Zielsetzung und Erfahrungsgrad des Imkers unterscheiden. Grundsätzlich sollten Imker darauf achten, das gleiche Standmaß wie bei den Wirtschaftsvölkern zu verwenden, damit die begatteten Königinnen von Anfang an auf dem zukünftigen Rähmchenmaß brüten können.
Für die Reduzierung des Brutraums eignen sich alternative Maßnahmen wie ein Trennschied, wodurch die Imker die Wabenfläche gezielt begrenzen können. Andererseits kann die Zarge auch vollständig mit Leerwaben und Mittelwänden ausgestattet werden, sodass die Bienen ihren Brutraum bei Bedarf durch weiteren Ausbau selbstständig erweitern.
Die Auswahl der richtigen Methode hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die verfügbare Bienenmasse, die Jahreszeit und die spezifischen Ziele der Bienenzucht. Eine durchdachte Herangehensweise an die Ablegerbildung trägt wesentlich zum Erfolg bei und fördert die nachhaltige Entwicklung starker Honigbienen-Völker, die langfristig zur Stärkung des Imkereibetriebs beitragen.
Ablegerbildung mit Begattungsablegern – Schritt für Schritt
Die Ablegerbildung mit Begattungsablegern stellt eine effektive Methode in der Imkerei dar. Hierbei entnehmen Imker verdeckelte Brutwaben mit ansitzenden Bienen aus den Wirtschaftsvölkern. Die bald schlüpfenden Jungbienen bilden eine optimale Grundlage für die zukünftige Brut der neuen Königin.
Bereits nach wenigen Minuten, wenn sich das Minivölkchen aus 1-2 Brutwaben weisellos fühlt, kann der Imker eine bald schlüpfende Weiselzelle hinzufügen. Je früher im Jahr die Ablegerbildung erfolgt, desto weniger verdeckelte Brutwaben werden benötigt. Wichtig: Niemals unverdeckelte Brutwaben in den Ableger geben, da dann die Gefahr besteht, dass die Bienen die Weiselzelle nicht annehmen.
Nach 1-2 Tagen schlüpft die Königin direkt in ihrem zukünftigen Volk. Die Annahmequote liegt bei nahezu 100%, da den Bienen aufgrund der bereits verdeckelten Brut keine Möglichkeit zur Nachzucht einer anderen Weisel bleibt. Diese Methode der Ablegerbildung gewährleistet einen reibungslosen Übergang und trägt wesentlich zum Erfolg der Bienenzucht bei.
Nachsorge und Kontrolle der Ableger in der Honigbienen Zucht
Etwa zwei Tage nach der Ablegerbildung sollte der Imker den Schlupf der Weiselzelle kontrollieren. Ist die Zelle geschlüpft und die Königin auf einer der Waben zu finden, kann das Bienenvolk wieder verschlossen werden. Sollte die Weiselzelle noch verdeckelt sein, während andere bereits geschlüpft sind, empfiehlt sich die Zugabe einer bereits geschlüpften jungen Königin über das Flugloch, die in der Regel sofort akzeptiert wird.
Nach etwa 14 Tagen steht die nächste Kontrolle an. Zu diesem Zeitpunkt ist die junge Königin meist schon begattet und hat mit der Eiablage begonnen. Da alle anderen Bienen nun geschlüpft sein sollten, befindet sich keine verdeckelte Brut mehr im Begattungsableger. Dies bietet den optimalen Zeitpunkt für eine Varroabehandlung.
Der Imker sprüht hierzu jede Wabenseite mit etwa zwei kräftigen Stößen Milchsäure aus einem Zerstäuber, sodass die Bienen leicht befeuchtet, aber nicht durchnässt werden. Auch die Bienen an den Zargenwänden sollten besprüht werden. Gleichzeitig müssen die Futtervorräte kontrolliert werden, die das Volk bis zur Einwinterung im September benötigt, um ausreichend Kapazitäten für die Brutpflege zu haben.
Futterbedarf und Entwicklung der Ableger
Nach der erfolgreichen Ablegerbildung spielt die richtige Versorgung mit Futter eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der neuen Bienenvölker. Da die Ableger ihre Energie hauptsächlich für den Aufbau des Brutnestes und die Entwicklung von Winterbienen verwenden, benötigen sie ausreichende Futterreserven.
Die Futtervorräte sollten regelmäßig kontrolliert werden, da die Bienen bis zur Einwinterung im September davon zehren. Eine ausreichende Versorgung ermöglicht es dem Volk, mehr Kapazitäten für die Brutpflege einzusetzen, anstatt Ressourcen für die Nahrungsbeschaffung aufwenden zu müssen.
Die jungen Königinnen in den Ablegern legen bis August stetig an Bienen und Brut zu, während die Wirtschaftsvölker bereits Anfang Juli ihre Brutaktivitäten reduzieren. Diese gegenläufige Entwicklung unterstützt den Aufbau starker Ableger für die kommende Saison. Mit der richtigen Pflege und ausreichender Fütterung entwickeln sich die durch Ablegerbildung geschaffenen Völker zu leistungsfähigen Einheiten in der Imkerei, die im Folgejahr den Wirtschaftsvölkern in nichts nachstehen.
Erfolgreiche Ablegerbildung zur Bestandserweiterung
Eine strategische Ablegerbildung trägt wesentlich zur gezielten Erweiterung des Bienenbestands bei. Als Faustregel gilt: In der Regel sollte zum bestehenden Volkbestand etwa jedes Jahr die Hälfte der Völkergröße an Ablegern gebildet werden. Noch besser ist sogar eine gleiche Anzahl, um eventuelle Winterverluste und Schwächlinge problemlos ausgleichen zu können.
Diese kontinuierliche Verjüngung des Bestandes durch regelmäßige Ablegerbildung stellt einen wichtigen Aspekt der nachhaltigen Imkerei dar. Sie ermöglicht nicht nur die Kompensation natürlicher Verluste, sondern auch eine gezielte Selektion der besten Honigbienen-Linien für die Weiterzucht.
Durch die frühzeitige Planung der Ablegerbildung können Imker den Prozess optimal in ihren Saisonablauf integrieren. Die kontinuierliche Bestandserweiterung durch qualitativ hochwertige Ableger fördert die Stabilität und Widerstandsfähigkeit des gesamten Imkereibetriebs. Zudem bietet die Ablegerbildung die Möglichkeit, neue Bienenvölker für den Verkauf zu produzieren und so das wirtschaftliche Potenzial der Bienenzucht voll auszuschöpfen.
Ablegerbildung als Methode zur Varroabekämpfung
Die Ablegerbildung dient nicht nur der Bestandserweiterung in der Imkerei, sondern bietet auch einen effektiven Ansatz zur Varroabekämpfung. Der optimale Zeitpunkt für die Behandlung gegen die Varroamilbe liegt etwa 14 Tage nach der Bildung des Ablegers, wenn keine verdeckelte Brut mehr vorhanden ist.
In dieser brutfreien Phase können Imker eine hocheffektive Behandlung mit Milchsäure durchführen. Dazu sprühen sie jede Wabenseite mit etwa zwei kräftigen Stößen aus einem Zerstäuber, sodass die Bienen leicht befeuchtet, aber nicht durchnässt werden. Auch die Bienen an den Zargenwänden müssen besprüht werden, um eine umfassende Wirkung zu erzielen.
Diese Methode der Varroabekämpfung im Rahmen der Ablegerbildung kombiniert zwei wichtige Aspekte der Bienenzucht: die Bestandserweiterung und die Gesunderhaltung der Honigbienen. Durch die Integration der Varroabehandlung in den natürlichen Zyklus der Ablegerbildung erreichen Imker eine effiziente und bienenfreundliche Kontrolle des Parasitenbefalls, ohne den normalen Entwicklungsprozess der Bienenvölker zu stören.
Fazit: Die Bedeutung der Ablegerbildung für eine nachhaltige Imkerei
Die Ablegerbildung erweist sich als unverzichtbares Element einer erfolgreichen und nachhaltigen Imkerei. Sie dient nicht nur der Verjüngung des Bienenstandes und der Schaffung von Reserven für Winterverluste, sondern ermöglicht auch eine gezielte Bestandserweiterung und effektive Varroabekämpfung.
Der ideale Zeitraum für die Ablegerbildung erstreckt sich von Anfang Mai bis Mitte Juli, wobei frühere Ableger weniger Bienenmasse und Brut aus den Wirtschaftsvölkern benötigen. Die Methode mit Begattungsablegern bietet eine hohe Erfolgsrate durch die direkte Integration schlupfreifer Weiselzellen.
Für eine nachhaltige Bienenzucht empfiehlt sich die jährliche Bildung von Ablegern in Höhe von mindestens der Hälfte, besser noch in gleicher Anzahl des bestehenden Volkbestandes. Diese kontinuierliche Erneuerung stärkt die Widerstandsfähigkeit des gesamten Imkereibetriebs und trägt zur langfristigen Gesundheit der Honigbienen bei.
Die Ablegerbildung vereint somit ökologische und ökonomische Aspekte der modernen Imkerei und bildet einen wesentlichen Baustein für den nachhaltigen Erfolg in der Bienenzucht.
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