Das Bogenschnittverfahren stellt eine einfache und effektive Methode zur Königinnennachzucht in der Imkerei dar. Im Gegensatz zum zeitintensiven Umlarven nutzt diese Technik den natürlichen Nachschaffungstrieb der Honigbienen. Imker schneiden dabei in einem bogenförmigen Schnitt den unteren Teil einer frisch bestifteten Wabe ab, wodurch die Bienen angeregt werden, an den angeschnittenen Zellen Weiselzellen zu bauen. Diese Methode eignet sich besonders für Hobbyimker und Einsteiger in der Bienenzucht, da sie vergleichsweise einfach durchzuführen ist und keine speziellen Zuchtgeräte erfordert. Obwohl das Bogenschnittverfahren keine gezielte Selektion wie andere Zuchtmethoden ermöglicht, bietet es dennoch eine praktische Lösung zur eigenständigen Nachzucht von Königinnen für den eigenen Bienenstand.

Inhaltsverzeichnis
Grundprinzip des Bogenschnittverfahrens bei Honigbienen
Das Bogenschnittverfahren basiert auf einem natürlichen Mechanismus der Honigbiene. Wenn eine Wabe beschädigt wird oder die Bienen keinen Zugang zur Königin haben, beginnen sie instinktiv mit dem Bau von Weiselzellen. Diese Methode macht sich diesen Trieb zunutze, indem sie gezielt Zellen mit frischen Eiern freistellt.
Der wesentliche Vorteil gegenüber konventionellen Methoden liegt in der Einfachheit. Sie benötigen weder besondere Fertigkeiten im Umlarven noch spezielle Zuchtgeräte. Dadurch wird die Bienenzucht auch für unerfahrene Imker zugänglich.
Für optimale Ergebnisse sollten Sie ausschließlich junge Waben verwenden. Diese bestehen idealerweise aus Jungfernwachs und wurden noch nicht bebrütet. In solchen Waben haben sich noch keine Häutchen angesammelt, wodurch die künftigen Königinnen genügend Raum für ihre Entwicklung finden.
Die Bienen bauen die Weiselzellen allerdings nur unter bestimmten Bedingungen aus. Entweder muss die Königin im Stock fehlen, oder das Volk muss einen Schwarmtrieb entwickelt haben. Besonders während der Schwarmsaison oder bei guten Trachtverhältnissen zeigen die Völker eine hohe Bereitschaft zur Weiselzellenproduktion.
So führen Sie das Bogenschnittverfahren richtig durch
Die praktische Durchführung des Bogenschnittverfahrens erfordert nur wenige Schritte. Als erstes wählen Sie eine frisch bestiftete Wabe aus dem Brutraum Ihres Bienenvolks. Achten Sie darauf, dass die Wabe viele Eier enthält und noch nicht zu alt ist.
Mit einem scharfen Messer schneiden Sie dann den unteren Drittel der Wabe in einem bogenförmigen Schnitt ab. Der sichelförmige Schnitt sollte von einer Seite des Rähmchens zur anderen verlaufen und dabei die Mittelwand durchtrennen. Dadurch werden zahlreiche Zellen angeschnitten, die optimal für den Bau von Weiselzellen geeignet sind.
Anschließend können Sie mit einer Nagelschere gezielt einzelne Zellen mit gut positionierten Eiern weiter freistellen. Dies schafft zusätzlichen Raum für die Bienen, um Weiselzellen zu errichten. Die Wabe hängen Sie dann in ein weiselloses Volk oder einen Ableger ein.
Die Honigbienen beginnen meist innerhalb weniger Stunden mit dem Bau der Weiselzellen am Schnittrand. Nach etwa fünf bis sechs Tagen werden die Zellen verdeckelt. Etwa eine Woche später schlüpfen die jungen Königinnen. Um mehrere Königinnen zu gewinnen, sollten Sie die verdeckelten Zellen vor dem Schlupf vorsichtig trennen und in Begattungsableger einsetzen.
Materialien und Voraussetzungen für das Bogenschnittverfahren
Für ein erfolgreiches Bogenschnittverfahren benötigen Sie nur wenige Materialien. An erster Stelle steht ein scharfes Messer, das sowohl Wachs als auch die Drahtung der Wabe sauber durchschneiden kann. Eine stumpfe Klinge würde die Wabe eher zerreißen als schneiden.
Zusätzlich brauchen Sie eine Nagelschere zum präzisen Ausschneiden einzelner Zellen. Für fortgeschrittene Anwender sind Aufsteckkäfige sinnvoll, um die fertigen Weiselzellen zu schützen. Diese bestehen aus kreisförmig angeordneten Nadeln, die um die verdeckelte Zelle in die Wabe gestochen werden.
Die wichtigste Voraussetzung ist jedoch eine geeignete Brutwabe. Diese sollte:
- Aus Jungfernwachs bestehen
- Frisch mit Eiern bestiftet sein
- Noch nicht bebrütet worden sein
- Idealerweise aus dem Frühjahrsbau stammen
Ein weiselrichtiges Pflegevolk sorgt für optimale Betreuung der entstehenden Königinnenzellen. Alternativ können Sie einen speziellen Zuchtableger einrichten. Timing ist ebenfalls entscheidend – das Verfahren funktioniert am besten während der natürlichen Schwarmzeit zwischen Mai und Juni, wenn die Bienenvölker ohnehin zum Nachschaffen von Königinnen neigen.
Vor- und Nachteile des Bogenschnittverfahrens in der Imkerei
Das Bogenschnittverfahren bietet in der Imkerei mehrere beachtenswerte Vorteile. Zunächst einmal ist die Methode ausgesprochen einfach durchzuführen und erfordert keine speziellen Zuchtgeräte. Selbst Anfänger können schnell Erfolge erzielen. Die entstehenden Königinnen entwickeln sich zudem in natürlich gebauten Weiselzellen und werden von Beginn an mit Königinnenfuttersaft versorgt.
Der Zeitaufwand bleibt überschaubar, da das mühsame Umlarven entfällt. Das Verfahren lässt sich auch spontan einsetzen, wenn etwa ein Volk plötzlich weisellos wird oder der Schwarmtrieb einsetzt. Außerdem können Sie mehrere Königinnen gleichzeitig ziehen.
Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Im Gegensatz zu anderen Zuchtmethoden haben Sie kaum Kontrolle über die genetische Selektion. Es bleibt dem Zufall überlassen, welche Eier zu Königinnen entwickelt werden. Die Weiselzellen entstehen ungleichmäßig und sind schwerer zu käfigen als Zellen auf Zuchtrahmen.
Der Materialverbrauch ist nicht zu unterschätzen – Sie opfern eine vollständige Brutwabe, da diese nach dem Eingriff nicht mehr voll funktionsfähig ist. Ein starkes Bienenvolk verkraftet den Verlust von etwa 1.000 Eiern problemlos, schwächere Völker könnten jedoch darunter leiden. Für eine systematische Zuchtarbeit mit gezielter Auslese eignen sich daher andere Methoden besser.
Das Bogenschnittverfahren im Vergleich zu anderen Zuchtmethoden
Im Spektrum der Königinnenzuchtmethoden nimmt das Bogenschnittverfahren eine besondere Position ein. Im Vergleich zum klassischen Umlarven entfällt die Notwendigkeit, junge Larven einzeln zu transferieren. Dies macht die Methode deutlich einfacher und weniger fehleranfällig.
Während das Zuchtgerät nach Nicot oder Jenter ein geschlossenes System mit Zuchtkassetten bietet, kommt das Bogenschnittverfahren völlig ohne Spezialausrüstung aus. Die Bienen bauen ihre Weiselzellen direkt an der angeschnittenen Wabe, was dem natürlichen Prozess sehr nahe kommt.
Beim Pfropfen oder Anbrüter-Verfahren werden gezielt ausgewählte Larven in künstliche Weiselnäpfchen umgebettet. Das erfordert jedoch Übung und eine ruhige Hand. Das Bogenschnittverfahren umgeht diesen anspruchsvollen Schritt vollständig.
Im Vergleich zur Schwarmzellen-Nutzung bietet das Bogenschnittverfahren den Vorteil der besseren Planbarkeit. Sie müssen nicht auf den zufälligen Schwarmtrieb warten, sondern können die Nachzucht gezielt einleiten.
Allerdings fehlt beim Bogenschnittverfahren die gezielte Zuchtauslese, die bei professionellen Methoden möglich ist. Während Zuchtspezialisten ihre Königinnen nach bestimmten Merkmalen wie Sanftmut, Honigertrag oder Schwarmträgheit selektieren können, überlassen Sie beim Bogenschnitt die Auswahl dem Zufall. Für die Bienenzucht im Hobbybereich ist dies jedoch meist ausreichend.
Saisonale Aspekte des Bogenschnittverfahrens bei Honigbienen
Das Bogenschnittverfahren zeigt je nach Jahreszeit unterschiedliche Erfolgsraten. Die ideale Zeit für diese Methode liegt im späten Frühjahr und frühen Sommer. In dieser Phase, von Mai bis Juni, befinden sich die Bienenvölker natürlicherweise in Schwarmstimmung. Der Nachschaffungstrieb ist stark ausgeprägt, und die Honigbienen nehmen die angeschnittenen Zellen bereitwillig an.
Die Frühjahrsentwicklung der Völker spielt eine entscheidende Rolle. Starke, wachsende Völker mit reichlichem Nektareintrag zeigen die beste Bereitschaft zur Königinnennachzucht. Sie verfügen über ausreichend Ammenbienen, die für die Versorgung der Weiselzellen mit Königinnenfuttersaft unerlässlich sind.
Im Hochsommer nimmt die Erfolgsrate langsam ab. Die natürliche Schwarmsaison klingt aus, und die Völker bereiten sich auf andere Aufgaben vor. Nach der Sommersonnenwende richtet sich der Fokus der Bienenvölker zunehmend auf die Wintervorbereitung.
Im Spätsommer und Herbst ist das Bogenschnittverfahren nur noch mit Einschränkungen anwendbar. Die Bereitschaft zum Nachschaffen sinkt deutlich. Zudem haben spät geschlüpfte Königinnen oft Schwierigkeiten, ausreichend begattet zu werden, da die Drohnenpopulation abnimmt.
Für optimale Ergebnisse planen Sie Ihre Königinnennachzucht daher im Einklang mit dem natürlichen Rhythmus der Bienenvölker. Nutzen Sie die Zeit der natürlichen Vermehrungsbereitschaft, und Sie werden mit kräftigen, gut versorgten Königinnen belohnt.
Tipps für Anfänger: Das Bogenschnittverfahren üben
Bevor Sie das Bogenschnittverfahren an einer wertvollen Brutwabe anwenden, sollten Sie unbedingt an Leerwaben üben. Dieser praktische Tipp spart Ihnen Frustration und wertvolles Brutnest. Nehmen Sie eine alte, ausgebaute Wabe und praktizieren Sie den bogenförmigen Schnitt, bis Sie sich sicher fühlen.
Achten Sie besonders auf die richtige Schnittführung. Der Bogen sollte gleichmäßig verlaufen und etwa das untere Drittel der Wabe abtrennen. Verwenden Sie ausschließlich ein sehr scharfes Messer, damit die Drahtung sauber durchtrennt wird und nicht ausreißt. Ein unsauberer Schnitt kann die gesamte Wabe destabilisieren.
Für Ihren ersten richtigen Versuch wählen Sie eine Jungfernwabe mit frischen Eiern. Diese erkennen Sie an ihrem hellen, fast weißen Wachs. Prüfen Sie mit einer Lupe oder starker Lesebrille, ob tatsächlich Eier und nicht bereits Larven vorhanden sind. Nur aus Eiern entwickeln sich optimale Königinnen.
Beobachten Sie nach dem Einsetzen der geschnittenen Wabe das Verhalten der Bienen genau. Bereits nach wenigen Stunden sollten erste Anzeichen für den Bau von Weiselzellen erkennbar sein. Die Honigbienen beginnen, die angeschnittenen Zellen zu erweitern und nach unten zu verlängern.
Dokumentieren Sie Ihre Erfahrungen in einem Imkertagebuch. Notieren Sie Datum, Volkszustand und Witterung. So können Sie beim nächsten Versuch von Ihren eigenen Erfahrungen profitieren und die Methode stetig verbessern.
Fazit: Das Bogenschnittverfahren als wertvolle Methode in der Imkerei
Das Bogenschnittverfahren erweist sich als ausgesprochen praktische Methode in der Imkerei, besonders für Hobbyimker und Einsteiger in die Bienenzucht. Die Technik verbindet Einfachheit mit Effektivität und ermöglicht die eigenständige Nachzucht von Königinnen ohne spezielle Ausrüstung oder jahrelange Erfahrung.
Die Methode nutzt geschickt den natürlichen Nachschaffungstrieb der Honigbiene und führt bei richtiger Anwendung zu robusten, vollwertig ernährten Königinnen. Trotz einiger Einschränkungen hinsichtlich der gezielten Zuchtauswahl bietet das Verfahren eine hervorragende Möglichkeit, die Abhängigkeit von zugekauften Königinnen zu reduzieren.
Für den nachhaltigen Erfolg in der Bienenzucht ist die Fähigkeit zur eigenständigen Königinnennachzucht unerlässlich. Das Bogenschnittverfahren stellt hierfür einen idealen Einstieg dar. Mit zunehmender Erfahrung können Imker diese Grundtechnik verfeinern oder auf anspruchsvollere Methoden umsteigen.
Wer die wenigen Grundregeln beachtet – junge Waben verwenden, auf saubere Schnitte achten und den richtigen Zeitpunkt wählen – wird mit vitalen Jungköniginnen belohnt. Diese sorgen für gesunde, leistungsfähige Bienenvölker und damit für nachhaltige Freude an der Imkerei.
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