Die Verwertung von Königinnen stellt einen zentralen Aspekt erfolgreicher Imkerei dar. Im Laufe der Bienenzucht entstehen oft mehr Königinnen als benötigt, weshalb verschiedene Verwertungsmöglichkeiten existieren. Diese reichen von der Integration in Wirtschaftsvölker über die Bildung neuer Ableger bis hin zur Verwendung in Kunstschwärmen. Erfahrene Imker nutzen überschüssige Königinnen, um ihre Bienenvölker zu stärken, neue Einheiten aufzubauen oder schwache Völker zu revitalisieren. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Methoden zur optimalen Verwertung von Königinnen und gibt praktische Tipps für den Umgang mit Überschüssen in der Honigbienen-Zucht. Dabei werden sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen betrachtet, die mit der Verwertung einhergehen.

Inhaltsverzeichnis
Herausforderungen und Chancen der Königinnenzucht in der Imkerei
In der modernen Imkerei werden häufig mehr Weiselzellen angesetzt als tatsächlich benötigt. Dies resultiert hauptsächlich aus der Unsicherheit über den züchterischen Erfolg. Vom Umlarven bis zur fertigen, begatteten Königin können zahlreiche Faktoren das Ergebnis beeinflussen. Eine geringe Annahmequote im Pflegevolk, schlechte Schlupfraten oder ungeeignete Witterungsbedingungen reduzieren die Anzahl erfolgreicher Königinnen erheblich.
Die meisten neu erzeugten Königinnen dienen dem Ersatz älterer Weiseln in Wirtschaftsvölkern oder der Bildung neuer Ableger für die kommende Saison. Dieses Vorgehen sichert nicht nur den Fortbestand der Bienenvölker, sondern verbessert auch deren genetische Qualität und Leistungsfähigkeit.
Überschüssige Königinnen bieten zudem die Möglichkeit, besonders varroaarme Völker aufzubauen. Da frisch gebildete Ableger mit jungen Königinnen oft einen geringen Milbenbefall aufweisen, können sie nach gezielter Behandlung mit Ameisensäure besonders gesund in die Winterperiode gehen. Dieser Vorteil macht sie zu wertvollen Einheiten für die Bienenzucht im Folgejahr.

Es kann nur eine Königin im Volk geben, zuviel erzeugte werden zu Ablegerbildung verwendet oder verkauft.
Effektive Verwertung überschüssiger Königinnen in der Bienenzucht
Der Überschuss an Königinnen lässt sich in der Imkerei vielfältig nutzen. Eine bewährte Methode ist die Weiterführung in Begattungseinheiten als Ableger. Die jungen Weiseln bilden bis August kontinuierlich ein wachsendes Brutnest und bauen den Ableger bis zur Überwinterungsfähigkeit aus. Diese Einheiten haben den entscheidenden Vorteil eines minimalen Milbenbefalls, besonders wenn bei der Bildung bereits eine Varroabehandlung durchgeführt wurde.
Für eine erfolgreiche Überwinterung sollten die Jungvölker bis August eine volle Zarge Bienen aufweisen. Bei geringerer Bienenmasse empfiehlt sich die Zusammenführung im 2-Königinnen-Betrieb oder die Vereinigung mehrerer Ableger. Diese Maßnahmen erhöhen die Überlebenschancen während der Winterperiode deutlich.
In der folgenden Bienensaison können überschüssige Ableger entweder verkauft oder zur Stärkung schwach überwinterter Völker verwendet werden. Diese flexible Nutzung überzähliger Königinnen trägt wesentlich zur Gesunderhaltung und Vermehrung des Bienenbestands bei und maximiert den wirtschaftlichen Nutzen für den Imker.
Zeitgerechtes Auflösen von Begattungseinheiten bei der Verwertung von Königinnen
Nicht jede Königin wird direkt auf dem Standmaß zur Begattung einlogiert. Die meisten Weiseln paaren sich in kleinen Begattungseinheiten, die nach der ersten Eiablage schnell zu beengt werden. Dies markiert den idealen Zeitpunkt, um die Königinnen in größere Ableger zu überführen oder zum Austausch in Wirtschaftsvölker einzusetzen.
Die Auflösung kleiner Begattungskästen sollte spätestens im August, besser jedoch bereits Anfang Juli erfolgen. Verfügen die Königinnen über zu wenig Wabenfläche, können sie ihr volles Potenzial nicht entfalten, was sogar zum Abtrieb der Königin führen kann. Frühzeitiges Handeln ist daher für erfolgreiche Imkerei entscheidend.
Das freiwerdende Bienenmaterial aus den Begattungseinheiten lässt sich vielfältig verwerten. Bei noch nicht zu weit fortgeschrittener Jahreszeit kann eine zweite Zuchtserie mit Königinnen begattet werden. Später im Jahr empfiehlt sich die Zusammenführung von Bienen und Brut in Sammelbrutablegern oder die Bildung von Kunstschwärmen. Dadurch geht keine wertvolle Bienensubstanz verloren, und der Imker maximiert den Nutzen seiner Honigbienen.
Erfolgreiche Methoden zum Zusetzen neuer Königinnen im Bienenvolk
Für die Umweiselung mit einer frisch begatteten Jungkönigin stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Im weiselrichtigen Volk entfernt der Imker zunächst die alte Königin und bricht alle vorhandenen Weiselzellen aus. Die Jungkönigin wird dann im Zusetzkäfig mit einigen Begleitbienen ins Zentrum des Brutnests gesetzt.
Wichtig ist, dass die junge Weisel bereits mindestens drei Wochen in Eiablage war und Routine entwickelt hat. Andernfalls steigt das Risiko, dass das Bienenvolk sie abstößt. Eine erste Kontrolle sollte frühestens nach zehn Tagen erfolgen, um unnötige Störungen zu vermeiden.
Die Erfolgsquote steigt erheblich beim Zusetzen im weisellosen Volk. Hierbei wird die alte Königin neun Tage vorher entfernt, sodass die Bienen aus der offenen Brut Weiselzellen ansetzen können. Diese werden nach neun Tagen ausgebrochen, wodurch die Bienen keine neue Königin mehr heranziehen können. Die Jungkönigin kann nun mit hoher Annahmewahrscheinlichkeit über einen Zusetzkäfig eingeführt werden. Diese Methode hat sich in der Bienenzucht besonders bewährt.
Maximale Erfolgschancen: Verwertung von Königinnen im Kunstschwarm
Die Verwertung von Königinnen im Kunstschwarm bietet mit annähernd 100% die höchste Annahmewahrscheinlichkeit. Besonders für Reinzuchtköniginnen oder Königinnen mit hoher Potenzialerwartung sollte diese Methode bevorzugt werden. Die Kunstschwarmbildung kann beispielsweise während der Honigernte erfolgen, indem die aufsitzenden Bienen nicht abgestoßen, sondern in einen Kunstschwarmkasten gefegt werden.
Ein erfolgreicher Kunstschwarm sollte mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm schwer sein und Bienen mehrerer Völker enthalten. Die begattete Königin wird unter Futterteigverschluss im Zusetzkäfig direkt in die Bienentraube gehängt. Der gesamte Schwarm muss dann für zwei bis drei Tage im kühlen, dunklen Keller gelagert werden.
Anders als beim natürlichen Schwarm haben die Bienen ihre Honigmägen nicht vollständig gefüllt und benötigen während der Dunkelhaft flüssige Fütterung. Nach dieser Zeit kann der Kunstschwarm in eine Beute mit Mittelwänden, einer Pollen- und Honigwabe sowie einer Leerwabe einlogiert werden. Bei fehlender Haupttracht ist eine kontinuierliche flüssige Fütterung erforderlich, bis alle Waben ausgebaut sind.
Pflegemaßnahmen nach erfolgreicher Verwertung von Königinnen
Nach der erfolgreichen Verwertung von Königinnen sind gezielte Pflegemaßnahmen entscheidend für die Entwicklung der Bienenvölker. Besonders wichtig ist die Einengung des Fluglochs, damit sich die Bienen effektiv gegen Räuberei verteidigen können. Diese einfache Maßnahme erhöht die Überlebenschancen junger Völker erheblich.
Eine erste Kontrolle sollte frühestens zehn Tage nach der Einlogierung erfolgen. Dabei überprüft der Imker die Eiablage der Königin und den allgemeinen Zustand des Volkes. Bei Bedarf kann nun zusätzliches Futter gereicht werden, um den Wabenbau und die Volksentwicklung zu fördern.
Für eine erfolgreiche Überwinterung ist die rechtzeitige Varroabehandlung unverzichtbar. Idealerweise erfolgt eine Behandlung mit Ameisensäure im August nach dem regulären Bekämpfungsplan. Diese Maßnahme reduziert die Anzahl der Milben während der Winterperiode auf ein Minimum und stärkt die Gesundheit der Honigbienen. Zudem sollten die Völker bis zum Winterbeginn ausreichend Futtervorräte eingelagert haben, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Saisonale Aspekte bei der Verwertung von Königinnen in der Imkerei
Die Verwertung von Königinnen folgt einem jahreszeitlich bedingten Rhythmus in der Imkerei. Im Frühjahr konzentrieren sich Imker hauptsächlich auf die Königinnenzucht und die Vorbereitung von Begattungseinheiten. Durch geschickte Planung können sie den Grundstein für eine erfolgreiche Saison legen.
Der Frühsommer bietet die idealen Bedingungen für die Begattung junger Königinnen. Die warmen Temperaturen und das reichhaltige Nektarangebot fördern sowohl die Entwicklung der Königinnen als auch den Aufbau neuer Völker. In dieser Phase können überzählige Königinnen optimal in Ablegern oder zur Verstärkung bestehender Völker eingesetzt werden.
Im Hochsommer und Frühherbst liegt der Fokus auf dem Auflösen kleiner Begattungseinheiten und der Vereinigung von Bienenvölkern. Jetzt müssen Entscheidungen über die Überwinterung getroffen werden. Nur gesunde und starke Völker mit jungen, leistungsfähigen Königinnen sollten in den Winter gehen. Die rechtzeitige Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit entscheidet maßgeblich über den Erfolg im kommenden Jahr.
Fazit: Optimale Nutzung von Königinnen für erfolgreiche Bienenhaltung
Die Verwertung von Königinnen bildet einen zentralen Baustein erfolgreicher Imkerei. Durch durchdachte Strategien lassen sich überschüssige Königinnen gewinnbringend nutzen und tragen so zur Gesundheit und Vermehrung der Bienenvölker bei. Besonders die Bildung von Ablegern mit jungen Königinnen fördert den Aufbau varroaarmer Völker und verbessert langfristig die Vitalität der Bienenpopulation.
Die verschiedenen Zusetzmethoden bieten für jede Situation die passende Lösung. Während das Zusetzen im weisellosen Volk eine hohe Erfolgsquote verspricht, garantiert die Kunstschwarmbildung nahezu hundertprozentigen Erfolg bei wertvollen Reinzuchtköniginnen. Durch die richtige Wahl der Methode maximiert der Imker die Annahmewahrscheinlichkeit und minimiert Verluste.
Letztendlich entscheidet der verantwortungsvolle Umgang mit den wertvollen Honigbienen-Königinnen über den Erfolg in der Bienenzucht. Wer die natürlichen Zyklen respektiert, rechtzeitig handelt und seine Völker sorgsam pflegt, wird mit gesunden, produktiven Bienenvölkern belohnt. Die Verwertung von Königinnen ist daher nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der Bienengesundheit.
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