Der Zweiköniginnenbetrieb ist eine fortschrittliche Methode in der modernen Imkerei, bei der zwei Bienenköniginnen gleichzeitig in einem Bienenvolk gehalten werden. Diese Technik stammt ursprünglich aus der amerikanischen Betriebsweise und zielt darauf ab, die Honigproduktion durch eine enorme Masse an Flugbienen zu maximieren. Im Gegensatz zur traditionellen Bienenzucht mit nur einer Königin nutzt der Zweiköniginnenbetrieb den Konkurrenzdruck zwischen zwei Königinnen, um mehr Brut und letztendlich mehr Honigbienen zu erzeugen. Dadurch entwickeln sich diese Völker überproportional stark und erreichen ihr Brutmaximum genau zum richtigen Zeitpunkt für die Haupttracht. Diese Methode erfordert jedoch besondere Kenntnisse und Techniken, da die Königinnen voneinander getrennt werden müssen, um eine gegenseitige Eliminierung zu verhindern. Der Zweiköniginnenbetrieb bietet sowohl bemerkenswerte Vorteile wie bessere Überwinterung und höhere Honigerträge, bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich, die jeder ambitionierte Imker kennen sollte.

Inhaltsverzeichnis
Geschichte und Ursprung des Zweiköniginnenbetrieb
Der Zweiköniginnenbetrieb hat seine Wurzeln in der amerikanischen Imkerei, wo er entwickelt wurde, um die frühe Tracht optimal zu nutzen. Diese innovative Methode der Bienenzucht konzentriert sich darauf, rechtzeitig eine maximale Anzahl an Honigbienen für den Nektar- und Polleneintrag zu haben. Anders als bei konventionellen Methoden wird hier der natürliche Konkurrenzdruck zwischen zwei Königinnen genutzt.
Die Grundidee beruht auf der Beobachtung, dass zwei Königinnen in Brutkonkurrenz deutlich mehr Bienenmaterial erzeugen, als dies bei zwei separaten Völkern der Fall wäre. Die Bienen profitieren von diesem Wettbewerb, und das Volk erfährt zu Beginn der Saison einen signifikanten Entwicklungsschub.
Während traditionelle Methoden oft erst zur Haupttracht starke Völker hervorbringen, erlaubt der Zweiköniginnenbetrieb, dass die Völker bereits früher ihre volle Stärke erreichen. Dies ermöglicht es den Imkern, frühe Trachten optimal zu nutzen und überproportionale Erträge zu erzielen. Durch die gemeinsame Überzeugung, dass starke Bienenvölker die Grundlage für erfolgreiche Honigproduktion sind, hat diese Methode in verschiedenen Regionen Anhänger gefunden, auch wenn sie noch nicht zur Standardpraxis in der deutschen Imkerei gehört.

Zur Frühtracht befinden sich 2 Königinnen in einem Bienenvolk zur Steigerung der Bruttätigkeit.
Zweiköniginnenbetrieb
Volkentwicklung im Zweiköniginnenbetrieb
Die optimale Volkentwicklung im Zweiköniginnenbetrieb beginnt idealerweise bereits im Spätherbst oder Winter des Vorjahres. In dieser Zeit akzeptieren die Bienen oftmals problemlos eine zweite Königin, was eine gemeinsame Überwinterung ermöglicht. Dieser Zeitpunkt bietet mehrere Vorteile für die Imkerei: Die Honigbienen können sich optimal wärmen, die Bienenmasse homogenisiert sich in beiden Einheiten, und insgesamt wird weniger Futter benötigt, als wenn beide Völker einzeln überwintern würden.
Die Zusammenführung sollte zwischen Oktober und Februar erfolgen, nachdem beide Einheiten gegen die Varroa behandelt wurden und das Winterfutter in den Waben eingelagert ist. So wird vermieden, dass in den Volksteilen unterschiedliche Futtermengen vorhanden sind und ein Teil durch Futterabriss verhungert. Erfahrungen zeigen, dass Völker im Zweiköniginnenbetrieb besser und mit weniger Verlusten überwintern, da der Wärmehaushalt durch die höhere Bienenmasse effizienter reguliert werden kann.
Wichtig ist, dass eine Vereinigung nach dem ersten Reinigungsflug im neuen Jahr vermieden wird. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Bienen bereits an ihr Flugloch gewöhnt und würden sich nicht an einen neuen Standort umgewöhnen. Ebenso sollte die Vereinigung nicht zu früh erfolgen, da die Bienen sich für eine Königin entscheiden und die andere eliminieren könnten, was die Fortführung des Zweiköniginnenbetrieb unmöglich machen würde.
Praktische Umsetzung des Zweiköniginnenbetrieb
Um den Zweiköniginnenbetrieb erfolgreich in der Imkerei einzusetzen, sind präzise Timing und korrekte Technik entscheidend. Die beiden Bruträume sollten mindestens 21 Tage vor Beginn der Tracht über ein Absperrgitter vereinigt werden. Dieses Gitter ist unerlässlich, damit sich die Königinnen nicht gegenseitig bekämpfen und eliminieren.
Der zu befüllende Honigraum wird anschließend durch ein weiteres Absperrgitter getrennt über den Brutraum der zweiten Königin platziert. Im optimalen Fall vereinigt der Imker die beiden Völker bereits 42 Tage (zwei Entwicklungszyklen) vor der Tracht, damit die neu geschlüpften Bienen zum Trachtbeginn bereits als Flugbienen zur Verfügung stehen.
Etwa sechs Wochen vor Trachtende sollte die zweite Königin wieder entfernt werden. Hierzu werden zwei Brutwaben mit darauf sitzenden Arbeitsbienen samt der Königin in einen Ableger überführt. Dieses Verfahren kann gleichzeitig zur Ablegerbildung genutzt werden – eine effiziente Praxis in der Bienenzucht.
Die Trennung der Königinnen ist wichtig, denn würde der Zweiköniginnenbetrieb über die Tracht hinaus fortgeführt, stünden in der trachtarmen Zeit zu viele Bienen bereit. Dies würde die Gefahr des Schwärmens erhöhen und wäre kaum noch kontrollierbar. Durch diese vorausschauende Planung maximiert der Imker den Nutzen der Methode und minimiert potenzielle Probleme.
Besonderheiten im Zweiköniginnenbetrieb
Der Zweiköniginnenbetrieb unterscheidet sich fundamental von der traditionellen Imkerei mit nur einer Königin. Während sich normale Bienenvölker zu Jahresbeginn langsam entwickeln und erst mit der Haupttracht massiv erstarken, erreichen Völker im Zweiköniginnenbetrieb ihr Brutmaximum bereits zur Haupttracht. Diese besondere Dynamik bringt einige Herausforderungen mit sich.
Durch den enormen Bestand an Bienenmasse muss der Imker verstärkt auf Kontrolle und Schwarmlenkung achten. Die große Anzahl an Honigbienen neigt schnell zur Schwarmlust, was die Bemühungen zunichtemachen würde. Dennoch ist der Gesamtaufwand im Vergleich zur Betreuung zweier Einzelvölker geringer, wodurch sich die Zeitintensität der Bewirtschaftung nicht negativ auswirkt.
Aufgrund der Brutkonkurrenz beider Königinnen muss ausreichend Raum für die Bestiftung der Waben bereitgestellt werden. Pro Königin sollten etwa zwei Zargen im Deutsch-Normalmaß zur Verfügung stehen. Während diese Menge für eine einzelne Königin mehr als ausreichend wäre, werden beide Weiseln im Zweiköniginnenbetrieb die jeweils zweizargigen Brutflächen problemlos mit Brut füllen.
Wie bereits erwähnt, sollte vor Trachtende die zweite Königin entfernt werden, um die Bienenmasse wieder auf Normalniveau zu bringen und starkes Abschwärmen zu vermeiden. Alternativ kann auch ein Schröpfen der Völker zum Trachtende für die Ablegerbildung dem steigenden Schwarmtrieb entgegenwirken und gleichzeitig die Bienenzucht unterstützen.
Vorteile des Zweiköniginnenbetrieb
Der Zweiköniginnenbetrieb bietet in der Imkerei mehrere bedeutende Vorteile. Einer der herausragendsten ist die bessere Überwinterung der Bienenvölker. Durch die höhere Bienenmasse kann der Wärmehaushalt effizienter reguliert werden, was zu weniger Winterverlusten führt und den Völkern einen starken Start in die neue Saison ermöglicht.
Die massive Erstarkung der Völker zum Trachtbeginn ist ein weiterer entscheidender Vorteil. Mit zwei legenden Königinnen entwickelt sich eine beeindruckende Anzahl an Honigbienen, die genau dann zur Verfügung stehen, wenn sie am meisten benötigt werden. Dies führt zu signifikant höheren Honigerträgen, da mehr Sammelbienen den Nektar eintragen können.
Wenn die zweite Königin vor Trachtende entfernt wird, steht dem Honigeintrag eine wesentlich größere Anzahl an Bienen zur Verfügung als in normalen Völkern. In diesem Fall ist nur ein geringer Anteil der Bienen mit der Brutpflege beschäftigt, während der überwiegende Teil zum Eintrag von Nektar genutzt werden kann.
Der Zweiköniginnenbetrieb ermöglicht außerdem eine effiziente Ablegerbildung zum richtigen Zeitpunkt. Durch die Entnahme der zweiten Königin mit einigen Brutwaben kann der Imker gleichzeitig den Schwarmtrieb kontrollieren und neue Völker bilden – eine win-win Situation für die Bienenzucht und den Honigertrag.
Herausforderungen und Nachteile des Zweiköniginnenbetrieb
Trotz seiner Vorteile bringt der Zweiköniginnenbetrieb auch einige Herausforderungen mit sich, die jeder Imker beachten sollte. Ein wesentliches Problem kann auftreten, wenn der Brutraum der zweiten Königin durch die ansteigende Tracht verhonigt. In diesem Fall sollten bebrütete Waben in den unteren Brutraum gegeben werden, damit die Bienen den Honig umtragen können.
Eine weitere Herausforderung ist die erhöhte Schwarmlust aufgrund der enormen Bienenmasse. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen kann dies zu unerwünschtem Schwärmen führen und den Honigertrag drastisch reduzieren. Daher erfordert der Zweiköniginnenbetrieb ein höheres Maß an Aufmerksamkeit und Kontrolle im Vergleich zur konventionellen Bienenzucht.
Ein signifikanter Nachteil ist die starke Beanspruchung der Königinnen. Durch die intensive Legetätigkeit in Konkurrenz zueinander verkürzt sich ihre Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung deutlich. Die Legeleistung nimmt häufig bereits zum Ende des ersten Jahres merklich ab, und eine Fortführung in ein zweites Jahr über die gesamte Bienensaison ist oft nicht möglich.
Wenn die zweite Königin nicht rechtzeitig entfernt wird und ihre Bruttätigkeit fortsetzt, können die Honigerträge geringer ausfallen. Dies liegt daran, dass ein Großteil der Honigbienen mit Brutpflege und dem Eintrag von Pollen und Wasser beschäftigt ist, anstatt Nektar für die Honigproduktion zu sammeln.
Zweiköniginnenbetrieb im Vergleich zu traditionellen Methoden
Der Zweiköniginnenbetrieb unterscheidet sich fundamental von traditionellen Methoden der Imkerei. Während konventionelle Völker mit einer Königin einer natürlichen Entwicklungskurve folgen und ihre Stärke erst zur Haupttracht erreichen, sind Völker im Zweiköniginnenbetrieb bereits früher auf ihrem Höhepunkt und optimal für den Nektar- und Polleneintrag vorbereitet.
In der traditionellen Bienenzucht entsteht oft eine Diskrepanz zwischen dem Zeitpunkt der maximalen Volkstärke und dem optimalen Trachtbeginn. Der Zweiköniginnenbetrieb löst dieses Problem durch die gezielte Förderung einer frühen und intensiven Volksentwicklung. Die Brutkonkurrenz der Königinnen sorgt dafür, dass mehr Honigbienen in kürzerer Zeit produziert werden.
Ein weiterer Unterschied liegt im Ressourcenmanagement. Traditionelle Methoden erfordern mehr Bienenkästen, Standplätze und separate Futtervorräte. Der Zweiköniginnenbetrieb ermöglicht hingegen eine effizientere Nutzung von Material und Futter, da zwei Königinnen in einem Volk gehalten werden.
Bezüglich des Arbeitsaufwands bietet der Zweiköniginnenbetrieb interessante Perspektiven: Obwohl einzelne Arbeitsschritte wie die Installation der Absperrgitter und die spätere Trennung der Völker zusätzlichen Aufwand bedeuten, ist der Gesamtarbeitsaufwand pro erzeugtem Kilogramm Honig oft geringer als bei konventionellen Methoden.
Die Methode eignet sich besonders für Imker, die frühe Trachten optimal nutzen möchten und bereit sind, intensiver mit ihren Bienen zu arbeiten, um höhere Erträge zu erzielen.
Fazit: Ist der Zweiköniginnenbetrieb die richtige Wahl für Imker?
Der Zweiköniginnenbetrieb stellt eine innovative und ertragreiche Methode in der modernen Imkerei dar. Durch die Nutzung von zwei Königinnen in einem Volk können Imker die natürliche Konkurrenz nutzen, um stärkere Völker mit mehr Honigbienen zu erzeugen und damit höhere Honigerträge zu erzielen. Diese Methode bietet besonders für die frühe Tracht signifikante Vorteile und ermöglicht eine effizientere Nutzung von Ressourcen.
Dennoch ist der Zweiköniginnenbetrieb nicht für jeden Imker geeignet. Er erfordert fundierte Kenntnisse über die Bienenbiologie, präzises Timing und eine intensivere Betreuung der Völker. Die erhöhte Schwarmlust und die verkürzte Lebensdauer der Königinnen stellen Herausforderungen dar, die beachtet werden müssen.
Für erfahrene Imker, die ihre Erträge maximieren möchten und bereit sind, sich auf eine anspruchsvollere Betriebsweise einzulassen, kann der Zweiköniginnenbetrieb jedoch eine lohnende Investition sein. Die bessere Überwinterung, die frühe Volksstärke und die Möglichkeit zur effizienten Ablegerbildung sind überzeugende Argumente für diese Methode in der Bienenzucht.
Letztendlich sollte jeder Imker basierend auf seinen individuellen Zielen, seiner Erfahrung und den lokalen Trachtbedingungen entscheiden, ob der Zweiköniginnenbetrieb die richtige Wahl ist. Wie bei vielen Aspekten der Imkerei gilt auch hier: Experimentieren, Lernen und Anpassen sind die Schlüssel zum Erfolg mit unseren faszinierenden Honigbienen.
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