Der Treibling stellt eine praktische Methode in der Imkerei dar, um neue Bienenvölker zu bilden. Diese Technik ermöglicht es Imkern, aus bestehenden Wirtschaftsvölkern schnell neue Honigbienen-Kolonien zu schaffen, indem man gezielt junge Bienen abschöpft und in eine neue Behausung überführt. Im Gegensatz zu anderen Vermehrungsmethoden bietet der Treibling mehrere Vorteile wie die rasche Volksentwicklung und die Reduzierung der Schwarmneigung im Ursprungsvolk. Der Artikel beleuchtet die Erstellung, Pflege und Entwicklung eines Treiblings sowie dessen Bedeutung für die nachhaltige Bienenzucht.

Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Treibling in der Imkerei?
Ein Treibling bezeichnet in der Imkerei eine besondere Form der Ablegerbildung, bei der gezielt junge Honigbienen aus einem starken Wirtschaftsvolk entnommen werden. Anders als beim klassischen Kunstschwarm kommt der Treibling ohne das Abkehren der Bienen von den Waben aus. Stattdessen nutzt diese Methode einen leeren Honigraum, der über dem Bienenvolk platziert und von jungen Bienen besiedelt wird. Diese jungen Arbeiterinnen sind ideal für die Bildung eines neuen Volkes, da sie besonders pflegebereit sind und noch keine Flugbienen darstellen. Die Technik des Treiblings hat sich in der modernen Bienenzucht als effektive Alternative zu herkömmlichen Vermehrungsmethoden etabliert und unterstützt Imker dabei, ihren Bestand gesund zu erweitern.

Mit dem Rauch aus dem Smoker werden die Bienen aus den unteren Zargen in den leeren Honigraum getrieben.
Bienenbeute mit dem Smoker | Quelle: Eigene Darstellung
Vorbereitung und Erstellung eines Treiblings
Die Erstellung eines Treiblings beginnt mit der Platzierung eines leeren Honigraums auf einem starken Wirtschaftsvolk in der Imkerei. Nachdem sich ausreichend junge Honigbienen in dieser Zarge angesammelt haben, kann diese abgenommen und zu einem eigenständigen Volk umfunktioniert werden. Für den neuen Treibling sind einige wichtige Komponenten unverzichtbar: Eine Futterwabe mit Pollen sowie eine mit Wasser besprühte Wabe müssen eingehängt werden, um die Grundversorgung zu sichern. Zudem sollte ein Baurahmen für Drohnenbrut eingesetzt werden, damit die Bienen sofort mit der Bautätigkeit beginnen können. Das Flugloch muss für die ersten 24 Stunden verschlossen bleiben, und es empfiehlt sich, den Treibling auf einen separaten Bienenstand zu stellen. Diese Maßnahme verhindert, dass die eingeschlossenen Flugbienen zu ihrem Ursprungsvolk zurückkehren.
Behandlung gegen Varroamilbe im neuen Treibling
Direkt nach der Bildung des Treiblings sollte eine Behandlung gegen die Varroamilbe erfolgen. Da im frisch erstellten Treibling noch keine Bienenbrut vorhanden ist, bietet sich ein ideales Zeitfenster für eine effektive Bekämpfung dieser Parasiten. Imker können hierfür Ameisensäure oder Milchsäure einsetzen, welche die Milbenpopulation drastisch reduzieren. Diese frühe Behandlung trägt wesentlich zur Gesundheit des jungen Bienenvolks bei und schafft optimale Startbedingungen für die weitere Entwicklung. Im Vergleich zu anderen Methoden der Honigbienen Zucht bietet der Treibling hier einen bedeutenden Vorteil, da die Behandlung gegen Varroa ohne störende Brutphasen durchgeführt werden kann und somit besonders wirksam ist.
Einsetzen der Königin im Treibling
Eine entscheidende Phase bei der Erstellung eines Treiblings ist das Einsetzen einer neuen Königin. Eine junge und bereits begattete Weisel kann bereits wenige Stunden nach der Bildung des Treiblings unter festem Verschluss im Zusetzkäfig eingebracht werden. Da keine Brut zur Nachzucht einer eigenen Königin vorhanden ist, akzeptieren die Bienen die neue Königin in der Regel schnell und beginnen mit ihrer Versorgung. Dies stellt einen wesentlichen Vorteil in der Honigbienen Zucht dar, weil die Annahme der Königin fast immer problemlos verläuft. Bereits nach ein bis zwei Tagen beginnt die junge Weisel mit der Eiablage, wobei die ausreichende Anzahl an Jungbienen im Treibling optimale Bedingungen für die Aufzucht der ersten Brut bietet.
Entwicklung und Pflege des Treiblings in der Bienenzucht
Die Entwicklung eines Treiblings verläuft bei guten Bedingungen außerordentlich schnell. Durch die gezielte Zusammenstellung aus jungen Honigbienen und einer legefreudigen Königin kann der Treibling innerhalb einer Saison beachtlich wachsen. Bei optimaler Legetätigkeit der Weisel und ausreichender Versorgung mit Futter entwickelt sich das junge Volk rasch zu einem starken Bienenvolk. Bereits zur Einwinterung kann sich der Treibling auf zwei Zargen befinden und entsprechend den anderen Wirtschaftsvölkern eingewintert werden. Diese schnelle Entwicklung macht den Treibling zu einer besonders wertvollen Methode in der modernen Imkerei, da neue Völker nicht erst über mehrere Saisons aufgebaut werden müssen, sondern bereits im Folgejahr produktiv zur Honiggewinnung beitragen können.
Zeitpunkt für die Erstellung eines Treiblings
Der ideale Zeitpunkt für die Bildung eines Treiblings orientiert sich am Trachtkalender in der Imkerei. Pro Wirtschaftsvolk können jährlich zwei Treiblinge gebildet werden: einer nach der Frühtracht und ein weiterer nach der Sommertracht. Diese strategische Planung erlaubt es Imkern, den Bienenbestand effizient zu erweitern, ohne die Honigernte wesentlich zu beeinträchtigen. Durch die Entnahme von jungen Honigbienen zu diesen Zeitpunkten wird zudem die Schwarmstimmung in den Ursprungsvölkern reduziert, was den Arbeitsaufwand für die Schwarmkontrolle erheblich verringert. Die zeitliche Flexibilität bei der Erstellung von Treiblingen stellt somit einen weiteren Vorteil dieser Methode in der modernen Bienenzucht dar und ermöglicht eine optimale Anpassung an die betrieblichen Abläufe der Imkerei.
Vorteile des Treiblings in der Honigbienen Zucht
Der Treibling bietet in der Imkerei zahlreiche überzeugende Vorteile. Besonders hervorzuheben ist die schnelle und effektive Volksvermehrung, die diese Methode ermöglicht. Im Vergleich zu herkömmlichen Kunstschwärmen entwickeln sich Treiblinge zügiger und können bereits im Folgejahr den vollen Honigertrag liefern. Ein weiterer bedeutender Vorteil liegt in der Reduzierung der Schwarmneigung bei den geschröpften Wirtschaftsvölkern, wodurch der Arbeitsaufwand für die Schwarmkontrolle deutlich sinkt. Zusätzlich ermöglicht die unmittelbare Behandlung gegen die Varroamilbe eine effektive Parasitenkontrolle, da die Behandlung in einem brutfreien Zustand besonders wirksam ist. Diese gesünderen Jungvölker bilden eine solide Basis für die nachhaltige Bienenzucht und tragen zum langfristigen Erfolg der Imkerei bei.
Herausforderungen bei der Treibling-Methode
Trotz der vielen Vorteile bringt die Treibling-Methode auch einige Herausforderungen mit sich. Der größte Nachteil ist der erhöhte Materialbedarf, da für jeden Treibling eine vollständige Beute mit Boden, Zarge und Deckel bereitgestellt werden muss. Dies erfordert von Imkern eine umfangreichere Ausrüstung und entsprechenden Lagerplatz. Zudem steigt die Anzahl der zu betreuenden Völker durch die zusätzlichen Treiblinge erheblich an, was einen höheren Arbeits- und Zeitaufwand für die Pflege und Kontrolle bedeutet. Besonders für Hobbyimker mit begrenzten Ressourcen kann diese Methode daher eine logistische Herausforderung darstellen. Die Entscheidung für die Treibling-Methode in der Honigbienen Zucht sollte daher unter Berücksichtigung der verfügbaren Kapazitäten und des Betriebskonzepts der Imkerei getroffen werden.
Treibling im Vergleich zu anderen Methoden der Jungvolkbildung
Im Vergleich zu anderen Methoden der Jungvolkbildung in der Imkerei bietet der Treibling spezifische Vor- und Nachteile. Anders als beim klassischen Ableger, bei dem Brutwaben mit ansitzenden Bienen entnommen werden, besteht der Treibling ausschließlich aus jungen Honigbienen ohne Brut. Dies ermöglicht eine sofortige und effektive Behandlung gegen die Varroamilbe. Gegenüber dem Kunstschwarm, bei dem Bienen von den Waben abgefegt werden müssen, ist die Erstellung eines Treiblings schonender und weniger stressig für die Bienen. Allerdings ist der Treibling materialintensiver als einfache Ableger auf wenigen Waben. Für Imker mit ausreichend Beuten und dem Ziel einer schnellen Bestandserweiterung stellt der Treibling eine hervorragende Methode der Bienenzucht dar, während für Einsteiger oder kleine Imkereien einfachere Ablegerverfahren möglicherweise praktikabler sind.
Fazit: Der Treibling als effektive Methode in der modernen Bienenzucht
Der Treibling hat sich als wertvolle Methode in der modernen Imkerei etabliert. Durch die gezielte Nutzung junger Honigbienen und die schnelle Einweiselung ermöglicht er eine effiziente Vermehrung von Bienenvölkern mit optimalen Startbedingungen. Die Vorteile dieser Technik – wie die rasche Volksentwicklung, die Reduzierung der Schwarmneigung und die effektive Varroabehandlung – machen den Treibling zu einer attraktiven Option für fortgeschrittene Imker. Trotz des erhöhten Materialbedarfs und der steigenden Anzahl zu betreuender Völker bietet diese Methode langfristig einen hohen Nutzen für die Honigbienen Zucht. Der Treibling verbindet traditionelles Imkerwissen mit moderner Betriebsweise und trägt somit zu einer nachhaltigen und erfolgreichen Bienenzucht bei. Für Imker, die ihren Bestand effizient erweitern möchten, stellt der Treibling zweifellos eine Bereicherung des imkerlichen Methodenspektrums dar.
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